PORTRÄT SAHRA WAGENKNECHT LINKEN-POLITIKERIN: : "Wie dumme Tanzbären"

Anders bei den Reformern, die Wagenknecht misstrauisch beäugen und zum Teil hart bekämpfen, hat sich die Wortführerin der Kommunistischen Plattform bei Lafontaine Ansehen erworben.

Matthias Meisner
310090_3_xio-fcmsimage-20091115210055-006000-4b005df801526.heprodimagesfotos82520091116_2nhm5332.jpg
Foto: dpadpa

Als die Kommunistin Sahra Wagenknecht am vergangenen Mittwoch ihre erste Rede im Bundestag hielt, war ihr Parteichef Oskar Lafontaine schon wieder weg aus Berlin, auf Heimaturlaub im Saarland. Über Exportirrsinn und Hyperverschuldung dozierte die Philosophin, schimpfte über staatliche Repräsentanten, die sich von Bankern und Managern „wie dumme Tanzbären am Nasenring durch die Manege ziehen“ ließen und so die Demokratie entwürdigten. Das Land brauche eine perspektivisch andere Wirtschaftsordnung, forderte die 40-Jährige, und gab so einen Vorgeschmack auf künftige Attacken des radikalen Flügels der Linkspartei.

Die in Jena geborene Wagenknecht gehört zu den wenigen ostdeutschen Politikern der Linken, die über eine Nominierung im Westen ins Parlament eingezogen sind. Sie hatte einen sicheren Listenplatz in Nordrhein-Westfalen, wo die Partei deutlich linker ist als im Osten der Republik. Wagenknecht steht wie nur wenige für diesen Teil der Partei, weniger wegen ihrer rhetorischen Brillanz, vielmehr wegen ihrer guten Selbstvermarktung. Gestylt als Rosa Luxemburg, hat sie sich einen Stammplatz in den Talkshows erobert, erscheint dort fast ebenso wichtig wie Lafontaine oder Gregor Gysi. Ideologisch hat sie sich auf heftige Kapitalismuskritik festgelegt, auch als von der aktuellen Wirtschaftskrise noch keine Rede war – mit Büchern wie „Die Mythen der Modernisierer“ oder „Kapitalismus im Koma“.

Anders als bei den Reformern, die Wagenknecht misstrauisch beäugen und zum Teil hart bekämpfen, hat sich die Wortführerin der Kommunistischen Plattform bei Lafontaine Ansehen erworben. Vor zwei Jahren wurde in der Partei das Gerücht verbreitet, sie habe den Vorsitzenden auf einer Delegationsreise nach Kuba begleitet, was damals heftig dementiert wurde. Ebenso deutlich wurde nun von einem Fraktionssprecher ein „Spiegel“-Bericht als „erstunken und erlogen“ bestritten, nach dem es eine private Beziehung zwischen Lafontaine und Wagenknecht geben soll. Nach dieser Logik soll sich der Parteichef auf Druck seiner Ehefrau Christa Müller zum überraschenden Verzicht auf die Führung der Bundestagsfraktion entschieden haben, nachdem die bisherige Europaabgeordnete Wagenknecht in den Bundestag einzog.

Was Lafontaine will, ist indes nicht geklärt. Auf die Frage, ob er Fraktionschef der Linken im Saar-Parlament bleiben werde, sagte er erst vergangene Woche: „Mal sehen“. Matthias Meisner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben