PORTRÄT SAMANTHA LEWTHWAITE DIE „WEISSE WITWE“: : „Allahs Arbeit tun“

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Hat Samantha Lewthwaite, wie der britische „Mirror“ kürzlich berichtete, das Nairobi-Massaker von einem Haus direkt gegenüber dem „Westgate“- Einkaufszentrum befehligt? Oder ist ihre Rolle als „Hauptverdächtige“ dieses Terroranschlags vor allem ein Auswuchs britischer Zeitungsfantasie? Seit die Dschihadistin aus Aylesbury in Buckinghamshire auf die Interpol-Liste gesetzt wurde und sie als „meistgesuchte Frau der Welt“ („Sun“) und „gefährlichste Terroristin seit Ulrike Meinhoff“ („Mirror“) gilt, schauen Briten wieder einmal schaudernd auf ein Schulfoto Samanthas mit blütenweißer Bluse und gestreifter Schulkrawatte. Schlimm genug, dass in Großbritannien aufgewachsene junge Männer, meist Kinder von Einwanderern, den Weg des Terrors gegen ihre Landsleute wählen. Aber die Tochter eines Soldaten, der in Nordirland gedient hat?

Als sich Samanthas Mann Germaine Lindsay am 7. Juli 2005 bei King’s Cross in London mit 26 Passagieren der Piccadilly Line in die Luft sprengte – der folgenschwerste der vier Londoner Terroranschläge – nannte sie noch niemand „die weiße Witwe“. „Er war ein liebender Ehemann und Vater. Meine Welt ist zerbrochen“, sagte die schwangere Frau des Terroristen und wurde unter Polizeischutz gestellt. Man rätselte, warum sie mit 18 Jahren Jeans und Popmusik gegen Hidschab und den Koran tauschte. Offenbar, weil sich ihre Eltern scheiden ließen und sie von den stärkeren Familienbanden muslimischer Nachbarn beeindruckt war. Dann ließ man sie in Ruhe.

Bis sie im Dezember 2011 als Tatverdächtige eines geplanten Bombenanschlags im kenianischen Mombasa auftauchte. Sie hatte nun drei Kinder, war mit einem Muslim aus Hounslow bei London, Hani Ghani, liiert, mit dem sie fliehen konnte. Einigen Berichten zufolge wurde Ghani Anfang September im Verlauf einer internen Al-Schabab- Fehde erschossen. Verhaftet wurde damals aber Jermaine Grant aus Newham, ein anderer Freund der „weißen Witwe“, wie sie nun hieß. Gegen ihn begann vor kurzem der Prozess in Mombasa. Die meisten Informationen über Lewthwaite scheinen von ihm zu kommen.

Die „Mail on Sunday“ kam damals in den Besitz tagebuchartiger Aufschriebe, die man in Samanthas Haus in Mombasa fand. Darin beschreibt sie, welche Rolle Frauen im Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen spielen. Schwestern, deren Männer Märtyrer werden, seien gesegnet. „Wir sündigen, wenn wir sie daran hindern, Allahs Arbeit zu tun.“ Matthias Thibaut

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