PORTRÄT SARAH PALIN BUCHAUTORIN: : „Männer sind Schwätzer, Frauen Macher“

Sie hat eine Autobiographie geschrieben. Und die Buchtour könnte zur Wahlkampftour werden

Christoph von Marschall

Die zwei Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein: Hillary Clinton gilt im Mainstream Amerikas als linke Emanze, Sarah Palin als „Hockey Mom“ mit traditionellem Familienbild und konservativem Wertekanon. Doch nun bekommt Clinton Lob von Palin, der republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin 2008 und Ex-Gouverneurin von Alaska, die ansonsten demokratische Spitzenpolitiker als Vaterlandsverräter angreift. „Sollte ich mich irgendwann einmal auf eine Tasse Kaffee mit Hillary Clinton treffen, werden wir fundamentale Meinungsverschiedenheiten in den meisten Fragen haben. Aber ich ziehe den Hut vor ihrer Präsidentschaftskampagne 2008“, schreibt Palin in ihrem heute erscheinenden Buch „Going Rogue“. Hillary Clinton sei ein Beweis, worin Männer und Frauen sich unterscheiden: „Wenn eine Rede gehalten werden soll, frag einen Mann. Wenn etwas erledigt werden muss, frag eine Frau.“ Nun spekuliert Amerika, wann es zum „Kaffee-Gipfel“ der beiden kommt.

Der kurze Auszug aus dem Buch wurde in einer der wichtigsten politischen Sonntagstalkshows enthüllt. Am Montag nahm die 45-Jährigen auf dem Sofa von Oprah Winfrey Platz. Seit Wochen läuft die Vermarktungskampagne für ihr Buch. Man rechnet mit einem Millionen-Erfolg. Palin kassiert 1,25 Millionen Dollar Voraushonorar – mehr als sie in ihrer gesamten Politikerlaufbahn verdient hat. Sechs Jahre war sie Bürgermeisterin der Kleinstadt Wasilla, zweieinhalb Jahre Gouverneurin von Alaska. Im Frühjahr 2009 trat sie nach der guten Hälfte der Amtszeit zurück, angeblich um ein Leben jenseits der Politik zu führen.

US-Medien spekulieren dagegen, die Lese- und Vortragsreise sei nichts anderes als der Testlauf für eine Präsidentschaftskandidatur 2012. Palin wird über Wochen durch die USA touren, bevorzugt durch Kleinstädte und ländliche Regionen in der Mitte des Kontinents, die als Hochburgen der Republikaner gelten. Die zu den Demokraten neigenden Metropolen will sie meiden. Auf ähnliche Weise hatte Barack Obama im Sommer und Herbst 2006 die Lesetour mit seinem Buch „The Audacity of Hope“ genutzt, um die Aussichten für die Wahl 2008 zu sondieren.

Die Frage, wer 2012 für die Republikaner antreten soll, spaltet das konservative Milieu. Palin gilt als eine Person nach dem Geschmack der konservativen Basis. Aber es ist fraglich, ob sie eine Mehrheit der Wähler hinter sich vereinen kann. Christoph von Marschall

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