Porträt : „Sarkozy hat sich für mich gevierteilt“

Ohne Stars geht nichts im Wahlkampf. Gérard Depardieu hilft nun bei Nicolas Sarkozy aus. Sozialist ist der Schauspieler, der einst für Mitterand kämpfte, nur noch im Film - bald in einer besonders pikanten Rolle.

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Jedem seine Groupies. Ohne Prominente aus dem Showbusiness geht nichts im französischen Präsidentschaftswahlkampf. François Hollande, der Kandidat der Sozialisten, weiß den populären Ex-Tennisspieler und Sänger Yannick Noah auf seiner Seite. Bevor Nicolas Sarkozy, Kandidat zu seiner Wiederwahl, die Bühne betritt, heizen Stars wie der Schauspieler Gérard Depardieu die Stimmung im Saal mit Lobeshymnen an. Der Auftritt des Letztgenannten war bei Sarkozys Großkundgebung am vergangenen Wochenende zunächst gar nicht vorgesehen. In letzter Minute wurde er eingeplant. Für Sarkozy hat sich das gelohnt. So schmeichelhaft hat noch niemand über ihn gesprochen. „Seit dieser Mann an der Macht ist, höre ich nur Schlechtes über ihn, wo er doch nur Gutes tut“, hat Depardieu gesagt.

Ein Sarkozyist ist der 63-jährige Freizeitwinzer, Restaurantbesitzer und Kochbuchautor früher nicht gewesen. In seiner Jugend neigte der rebellische Sohn eines Blechschmieds, der mit 13 Jahren die Schule verließ und aus einem proletarischen Milieu ausbrach, zur Linken. 1988 unterstützte er den Wahlkampf des sozialistischen Präsidenten François Mitterrand. Als der Kommunistischen Partei nach der Niederlage der Linken bei der Wahl 2002 Insolvenz drohte, griff er in die Tasche, um sie vor dem Ruin zu bewahren. Doch dann machte er 2007 in der Illustrierten „Paris Match“ seiner Enttäuschung über die Linke Luft und setzte auf Sarkozy. Der sei der einzige Politiker, der in der Lage sei, „den Job zu machen“.

Es war nicht unbedingt ein gerader Weg von links nach rechts, eher ein Hin und Her, wie in seinen über hundert Filmen, in denen er sich nicht mit allen Rollen identifizierte. Demnächst wird er in dem Film des US-Regisseurs Abel Ferrara über die Sexaffäre des Dominique Strauss-Kahn die Hauptrolle spielen. Er mag DSK gar nicht. Der sei so „französisch, arrogant und süffisant“, sagte er dem Schweizer Fernsehen. „Das ist spielbar.“

Sein Enthusiasmus für Sarkozy hat auch einen ganz persönlichen Grund, glaubt man der Satirezeitung „Le canard enchaîné“. Sie berichtet von einem Restaurantgespräch, in dem Depardieu unüberhörbar schwärmte, wie Sarkozy ihm bei der Lösung eines geschäftlichen Problems im Ausland geholfen habe. „Er hat sich für mich gevierteilt“, zitiert das Blatt. „Ich habe ihn angerufen und er rief sofort zurück. Ohne ihn hätte ich viel Geld verloren. Ich tue alles für ihn.“

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