Porträt Scott McClellan : "George W. Bush hat manipuliert"

Er war einer der loyalsten Mitarbeiter des Präsidenten und drei Jahre lang, von 2003 bis 2006, sein Sprecher. Doch nun ist Scott McClellan zum Ankläger George W. Bushs geworden.

Christoph von Marschall

WashingtonSein Buch „Was geschah: Im Innern des Weißen Hauses und der Washingtoner Kultur der Irreführung“ erscheint zwar erst am heutigen Montag, aber schon vorab betonen US-Medien, dies sei die erste Abrechnung mit Bush aus dem innersten Kreis. Brisante Ausschnitte werden verbreitet, McClellan tourt durch Talkshows, um das Interesse anzukurbeln. „Der Irakkrieg war ein strategischer Fehler“; „den allergrößten Missgriff“ nennt er Bushs Entscheidung, „Aufrichtigkeit und Ehrenhaftigkeit aufzugeben zu einer Zeit, in der sie am dringendsten nötig waren“. Bush habe „die öffentliche Meinung manipuliert“ und „die wahren Kriegsgründe heruntergespielt“.

Diese Anklagen sind nicht neu. Aufsehen erregt, dass sie von dem Mann kommen, der Bushs Politik seinerzeit verkündet, begründet und verteidigt hat. Der heute 40-Jährige, der bereits für Bush arbeitete, als der noch Gouverneur von Texas war, erklärt seine lange Linientreue rückblickend so: Regierungsmitglieder lebten nach kurzer Zeit in der „Washington- Blase“, mit wenig Kontakt zur Realität. Er habe nach dem Ausscheiden Zeit gebraucht, um seine eigene Verwicklung zu überdenken.

Wohlmeinende raten deshalb, das Buch sollten vor allem Mitarbeiter der Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain lesen, damit sie ähnliche Fehler vermeiden. Weniger Gutgläubige argwöhnen, McClellan sei zum Bush-Kritiker mutiert, um Kasse zu machen. Offenbar sei das Manuskript auf Drängen des Verlags immer schärfer geworden; niemand wolle schließlich eine geglättete Version der Bush-Jahre lesen.

Das Weiße Haus hat sofort zur Gegenoffensive geblasen. Die heutige Sprecherin Dana Perino, Bushs Ex-Stratege Karl Rove und andere Ex-Kollegen McClellans tun so, als habe der einen Nervenzusammenbruch erlitten. „Das ist nicht der Scott, den wir kennen“, ist die Formel der Bush-Loyalisten.

Ob Irak, Hurrikan „Katrina“ oder der „Plamegate“ genannte Skandal um die Enttarnung einer CIA-Mitarbeiterin – McClellan beschreibt die Arbeit im Weißen Haus als „permanenten Propagandakrieg“. Auch er selbst sei in „Plamegate“ über die Verwicklung des Vizepräsidenten Cheney getäuscht worden, lässt McClellan ein weiteres Motiv für seine Abrechnung ahnen. 

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