Porträt : „SensationellsterWahlsieg unserer Geschichte“

Die Nachricht schlug in London wie eine Bombe ein: „George Galloway is back“. Der streitlustige Labour-Renegat darf wieder Furcht und Schrecken im Unterhaus verbreiten – vor allem aber in seiner eigenen Partei.

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Foto: Reuters Foto: REUTERS
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Wie eine Bombe schlug die Nachricht im Londoner Regierungsviertel ein: „George Galloway is back“. Der streitlustige Labour-Renegat darf wieder Furcht, Schrecken und Bewunderung im Unterhaus verbreiten – vor allem in der Labourpartei. Mit einem Stimmenanteil von 56 Prozent gewann er eine Parlamentsnachwahl, die Labour hätte gewinnen müssen. „Tausende haben rebelliert und die drei großen Parteien komplett zurückgewiesen“, rief er um zwei Uhr morgens in der Stadthalle von Bradford mit so donnernder Stimme, dass Labourchef Ed Miliband um den letzten Schlaf gebracht wurde.

„Jetzt muss die Labourpartei vom Weg des Verrats abkehren, den sie vor 20 Jahren unter Tony Blair gewählt hat“, rief Galloway und wurde von Anhängern seiner Anti-Irakkriegspartei „Respect“ im Jubel hinausgetragen.

Der Glasgower war ein Senkrechtstarter am linken Flügel der Labourpartei. Er marschierte mit irischen Terrorbefürwortern und arrangierte Dundees Städtepartnerschaft mit dem palästinensischen Nablus. Beziehungen zur muslimischen Welt sind seine Spezialität. Berüchtigt wurde er wegen seiner Freundschaft mit Saddam Hussein. 1998 brachte er ein irakisches Kind zur Leukämiebehandlung nach London – ein PR-Gag, so die Kritiker, ein Protest gegen unmenschliche Sanktionen, so Galloway. Als er 2003 aus der Labourpartei ausgeschlossen wurde, nannte man als Grund nicht seine Opposition gegen den Irakkrieg, sondern seinen „Aufruf, gegen die britische Armee zu rebellieren“.

Er spielte in „Big Brother“ im Fernsehen mit und kanzelte amerikanische Senatoren ab, die ihn 2005 als angeblichen Sanktionsprofiteur in Washington vorluden. Im selben Jahr entriss er Labour einen Londoner Wahlkreis. Er habe gezielt Spannungen in dem multiethnischen Bezirk geschürt, hieß es. Auch jetzt wird dieser Vorwurf erhoben: Wie aus heiterem Himmel tauchte Galloway vor drei Wochen in Bradford auf. Sein einziger Programmpunkt in dem Wahlkreis mit starker Muslim-Bevölkerung: sofortiger Abzug aus Afghanistan.

Nun rätselt man, was das zu bedeuten hat. Ausgerechnet am Ende von Labourchef Ed Milibands bester Woche im Amt, mit einem Labour-Durchbruch in Umfragen, verliert die Partei einen Wahlkreis, den sie seit fast 50 Jahren sicher hatte. Wettbüros setzten gestern die Quoten für einen baldigen Abgang von Labourchef Ed Miliband höher. Im Unterhaus wird es wieder lustig.

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