PORTRÄT SILA SAHIN SCHAUSPIELERIN: : „Von kulturellen Zwängen befreit“

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Mit Dingen, die man für sich selbst tut, ist es so eine Sache, wenn man die Öffentlichkeit zusehen lässt. Die türkische Aktrice Sila Sahin hat sich für den „Playboy“ ausgezogen. Sie habe sich damit von kulturellen Zwängen befreit, bemerkte sie gegenüber „Bild“. Weil sie, darüber dürfte eine alle Kulturkreise überspannende Einigkeit bestehen, eine schöne Frau ist, schaffte sie es als Halbakt sogar auf den Titel des deutschen „Playboy“, als erste Türkin immerhin.

Ein Zeichen gelungener Integration? Ihre relative Prominenz – Fernsehgucker kennen sie womöglich aus dem Vorabend-Dramolett „GZSZ“ – macht Sahins Fotos zum Politikum. Acht Deutschtürken kommentieren Sahins Selbstbefreiung in der „Bild“ vom Freitag. Tendenz: sehr skeptisch. Sahin habe sich „respektlos“ gegenüber ihren Eltern gezeigt, heißt es, sie werde nun als „Flittchen“ gelten. Sahin stellte fest, ihre Mutter spreche „momentan“ nicht mit ihr. Man könnte sarkastisch folgern, Sahin habe sich bestens in den deutschen Popkultur-Medienbetrieb integriert, doch könnten die Fotos desintegrierende Wirkung auf ihr Familienleben haben.

Vergleichbare Schicksale aus der Medienwelt legen den Schluss nahe, dass Aktionen der Selbstbefreiung nachhaltig wirken. Unvermeidlich muss hier Sibel Kekilli erwähnt werden. Passend zu ihrem großen Aufritt bei der Berlinale 2004 mit „Gegen die Wand“ wurde sie als ehemalige Pornodarstellerin geoutet. Die redegewandte, lebenskluge Schauspielerin nutzte danach eine Reihe von Interviews, um sich und ihr Selbstgefühl als junge Frau mit türkischen Wurzeln in Deutschland zu erklären. Ihre Pornoaktivitäten bezeichnete sie als „eine Art Rebellion“ – „ich wollte mir damit vielleicht selber beweisen, dass ich mein eigenes Leben leben kann, wie ich will“.

Sila Sahins „Rebellion“ sagt dem Betrachter der Fotos, wenn er sich gefasst hat, mindestens so viel über die Welt, aus der sie kommt, wie die erwähnten Kommentare zu diesen Fotos. Es ist immer noch eine Welt rigider Tabus und unterschiedlicher Bewertungen dessen, was Frauen und Männer dürfen. Ein 18 Jahre alter Schüler bezeichnet Sila Sahins Foto in „Bild“ strahlend als „geil“ und sagt: „Meine Freundin dürfte sich aber niemals vor einer Kamera ausziehen oder nackt zeigen.“ Da kann man Sila Sahin fast dankbar sein für die politische Botschaft ihrer Fotos: Integration ist ein langer Weg, und türkische Frauen brauchen viel Mut. Werner van Bebber

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