Porträt : ''Simbabwes Führung hat versagt''

Früher war Simbabwes Herrscher Robert Mugabe sein Mentor - jetzt stellt er sich gegen ihn: der Oppositionspolitiker Simba Makoni.

Wolfgang Drechsler

Er war mit von der Partie, als Simbabwes Herrscher Robert Mugabe das frühere Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit führte. Er diente seinem Präsidenten als Vizeagrar- und als Industrieminister, von 2000 bis 2002 leitete er sogar das Finanzressort. Nun stellt sich Simba Makoni gegen seinen früheren Mentor und tritt bei der Präsidentenwahl am Samstag als Gegenkandidat gegen Mugabe an. Zum ersten Mal wagt es damit ein Mitglied des Establishments, den seit 28 Jahren herrschenden Potentaten direkt herauszufordern. Makoni erklärt den Entschluss damit, dass die gegenwärtige Lage in Simbabwe unerträglich sei: „Ich weiß um die furchtbaren Nöte, die die Menschen in den letzten zehn Jahren zu erleiden hatten. Das muss sich ändern“, sagt er.

Warum er so lange geschwiegen hat, lässt er offen. Makoni hält die Krise des Landes für hausgemacht. Er trete an, weil die Regierungspartei Zanu PF sich bei ihrem letzten Kongress geweigert habe, das für die Misere verantwortliche Führungspersonal auszutauschen. Eine verdeckte Kritik an Mugabe und dessen Amoklauf. Die Zanu PF reagierte auf die Ohrfeige mit dem Parteiausschluss des Kritikers.

Makoni verfügt allerdings über wenig Rückhalt bei der Parteibasis. Seine Anhänger finden sich vor allem unter Intellektuellen und der Stadtbevölkerung – und damit oft auch unter den Anhängern der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel, für die Morgan Tsvangirai ins Rennen geht.

Unklar ist, wofür der 57-jährige Makoni überhaupt steht. Er hat weder eine Partei noch ein klares Programm anzubieten. Er hat auch nie das Massaker an der Volksgruppe der Ndebele in den 80er Jahren verurteilt, dafür aber den von Mugabe legalisierten Landraub an den weißen Farmern verteidigt. Als Finanzminister tat er zudem wenig gegen die Inflation, die sich schon damals abzeichnete. In den wenig verlässlichen Umfragen rangiert Makoni zurzeit nur auf Platz drei – hinter Tsvangirai und Staatschef Mugabe.

Seine Chancen stehen auch deshalb schlecht, weil Beobachter – wie schon bei früheren Urnengängen – von massiven Wahlmanipulationen ausgehen. So hat das Regime in Harare mehr als neun Millionen Wahlzettel drucken lassen, obwohl weniger als sechs Millionen Wähler registriert sind. Zudem hat die Zanu PF die Wahlbezirke so gezogen, dass die ländlichen Gebiete dreimal stärker gewichtet werden und somit überproportional viele Sitze erhalten. Auf dem Land ist Mugabe viel stärker als Makoni.Wolfgang Drechsler

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