Porträt : Stefan Aust: "Wir gehen da ganz bescheiden ran"

Einen "Gegen-Spiegel", eine Kopie des "wichtigsten Magazins der Republik" strebt Stefan Aust nicht an. Er will die "Woche" herausbringen.

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Stefan Aust
Stefan AustFoto: dpa

Vielleicht war es nur das ganz große Projekt. Vielleicht teilt Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner nicht den Optimismus von Stefan Aust und lässt doch die Finger vom großen Projekt mit dem Arbeitstitel „Woche“. Seit Monaten entwickelt der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur für die WAZ-Gruppe ein, sein Wochenmagazin. Marktreif sei es, jetzt müssen sich Aust, WAZ und der als Mehrheitseigner gedachte Springer-Konzern über die zweistellige, riskante Millioneninvestition einigen.

Aust verteilt Aufbaupräparate. Er sagt, der Markt sei groß, es gebe Platz für viele, „allerdings gehen wir da ganz bescheiden ran“. Trotzdem, er will nicht weniger, als die „Focus“-Geschichte mit eigener Hand neu zu schreiben. Damals, 1993, glaubte keiner, dass es Verleger Hubert Burda und seinem Ersten Journalisten Helmut Markwort gelingen könnte, neben dem „Spiegel“ ein weiteres Wochenheft zu platzieren. Von einiger Ironie ist es, dass Aust 1994 die Chefredaktion des „Spiegels“ übernahm, um den „Focus“ in Schach zu halten.

Einen „Gegen-Spiegel“, eine Kopie des „wichtigsten Magazins der Republik“ strebt Aust nicht an, er will die „Woche“ am Sonntag herausbringen; dort sieht er eine Lücke, wo andere vielleicht keine sehen – zwischen den Nachrichtenmagazinen vom Montag und den Sonntagsblättern. Groß wie die „Gala“, grafisch opulent wie die „FAS“, die Texte nicht detaillistisch wie im „Spiegel“, sondern knapper, zugänglicher, leichter im Ton. Alle klassischen Ressorts sind vertreten, Investigatives muss – wenig überraschend bei einem Blattmacher Aust – dabei sein. Mehr als 120 Mitarbeiter sollen das Heft von Herbst an stemmen, ihr Arbeitsplatz soll ein Statement sein: Berlin.

Stefan Aust, der 63-jährige Journalist aus Stade, denkt sein Projekt in die digitale Medienzukunft hinein. Der berühmte Content muss mehrkanalfähig sein, Print wird TV wird iPad. Schon sehen Beobachter eine Medienbrücke zwischen der „Woche“ und dem von Aust angestrebten Engagement beim Newssender N 24, auch er in der Hauptstadt angesiedelt.

Kommt Aust bei Print und Fernsehen zum Zug, dann ist er der Journalist, der Medienmann 2010. Auch eine Ego-Frage. Die erzwungenen Trennungen von Spiegel-TV und „Spiegel“ haben ihn getroffen, zugleich wohlhabend gemacht. Stefan Aust könnte in großer Ruhe und Gelassenheit weiter erfolgreich Hannoveraner züchten. Aber so ist dieser Großmeister des Magazinjournalismus nicht gebaut. Er will als Sieger vom Platz.

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