• PORTRÄT STEFAN MAPPUS, FRAKTIONSCHEF IN STUTTGART: "Wurstsalat schmeckt doch viel besser"

PORTRÄT STEFAN MAPPUS, FRAKTIONSCHEF IN STUTTGART : "Wurstsalat schmeckt doch viel besser"

Er ist bodenständig, konservativ und ein Gegner von Schwarz-Grün: Jetzt soll Stefan Mappus Oettinger nachfolgen

Roland Muschel

Wenn der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Stefan Mappus Gäste bewirtet, serviert er oft Wurstsalat. „Schmeckt doch viel besser als dieser Edelfraß bei Cocktailempfängen“, sagt der 43-Jährige dann, wohlwissend, dass das auch der Imagebildung dient. Denn der konservative Haudegen nimmt für sich in Anspruch, mit seiner Politik den bodenständigen ländlichen Raum im Flächenland Baden-Württemberg abzudecken. Günther Oettinger, den er nun als Regierungschef ablösen will, setzte dagegen mehr auf das Großstädtische, die Öffnung der Südwest-CDU zu den Grünen und eine liberale Haltung in der Familienpolitik. Mappus dagegen hat das Bündnis von CDU, FDP und Grünen im Saarland jüngst als „unterirdisch“ kritisiert und 2006 Spekulationen über ein schwarz-grünes Bündnis in Baden-Württemberg ohne Absprache mit Oettinger per Interview beendet.

Dass der Vater zweier Kinder Regierungschef werden will, war ein offenes Geheimnis. Dass er nun sofort den Finger streckt, überrascht in der baden-württembergischen CDU auch deshalb niemanden, weil sich in der Dauerregierungspartei eine Art Erbfolge etabliert hat: Der Fraktionschef wird der nächste Regierungschef. So war das bei Lothar Späth, bei Erwin Teufel, bei Günther Oettinger. Es ist nur eine Frage des Zeitpunkts.

Mappus hat, von Teufel gefördert, früh Karriere gemacht. Mit 32 Staatssekretär, mit 38 Umweltminister, mit 39 Fraktionschef. Lange wurde ihm unterstellt, er könne den nächsten Schritt auf der Karriereleiter nicht abwarten. Wenn Mappus indes gewollt hätte, glauben viele in der CDU, hätte Oettinger seine fatale Filbinger-Rede nicht überlebt. Während Mappus in seiner Landtagsfraktion großen Rückhalt genießt, hat er bei Landesparteitagen bei der Wahl zu einem von drei Vize-Landeschefs stets das schlechteste Ergebnis eingefahren. Vielleicht auch, weil der gebürtige Pforzheimer gerne austeilt. Als Umweltminister hat er seine Beamten barsch gerügt, ihre Briefe würden in Sachen Rechtschreibung „nicht einmal den hinteren Rängen in der Pisa-Studie“ genügen. Und in Richtung von Kanzlerin Merkel zielte seine Kritik am „konturlosen Herumlavieren“ der CDU in der Großen Koalition. Angela Merkel indes dürfte darauf vertrauen, dass Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Fraktionschef Volker Kauder im Sinne des Kanzleramts auf ihren Duzfreund einwirken. Roland Muschel

0 Kommentare

Neuester Kommentar