PORTRÄT STEFAN MAPPUS MINISTERPRÄSIDENT: : „Mit Koch verliere ich einen Partner“

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Also wenn der Mann keine Ähnlichkeit mit Franz Josef Strauß hat! Das mit der Physiognomie ist das eine, die Art ist das andere, die Interessen und die Grundhaltung kommen hinzu. Bullig ist er, bullig wirkt er – bei genauem Hinschauen hat Stefan Mappus aber auch seine fragilen Seiten, sowohl als auch. Strauß war zum Beispiel nie so breitschultrig, empfindsam war er außerdem. Und dann diese zarten Hände …

Nun sage niemand, der heutige baden-württembergische Ministerpräsident habe nicht auch sachte Aspekte. Er macht sie nur nicht so öffentlich. Aber das kommt bestimmt noch mit der Zeit, mit der Wahlkampfzeit nächstes Jahr. Da wird es dann schon Hausbesuche geben und tiefere Einblicke; seine Frau, Susanne Verweyen-Mappus, weiß, was die Politik erfordert. Sie war immerhin früher Landesgeschäftsführerin der CDU.

Was die Interessen angeht: Mappus ist Hobbypilot einer Cessna, auch das erinnert an Strauß, der ja sogar nach Moskau selbst flog. Man muss mal Theo Waigel nach den Strauß’schen Flugkünsten fragen. Bei Mappus wird wohl derzeit keiner offen darüber reden (wollen), denn der Landeschef hat einen sehr klaren Machtanspruch. Sich mit ihm anzulegen, bekommt nicht jedem. Vorgänger Günther Oettinger hat er auch mürbe gemacht. Den Druck musste immer wieder Generalsekretär Thomas Strobl für Oettinger kanalisieren und Mappus parieren. Es spricht für Mappus, dass er Strobl im Parteiamt gehalten hat. Aber wer den Hammer schwingen kann, der weiß auch, wo er hängt: Strobl ist daneben Vorsitzender der sehr einflussreichen Landesgruppe Baden- Württemberg im Bundestag, die Mappus besser nicht gegen sich haben sollte. Auch das ist ein bisschen ähnlich zur CSU.

Und seine Grundhaltung? Mappus ist konservativ. In der Vergangenheit hat er den Christopher Street Day in Stuttgart als „abstoßend“ bezeichnet, homosexuelle Lebenspartnerschaften in Trauzimmern der Standesämter zu schließen abgelehnt, ein Adoptionsrecht für die Paare auch. In seiner Heimatstadt Pforzheim, wo Mappus bis heute wohnt, wollte er eine Ausstellung zum „Neofaschismus in der BRD“ verhindern, weil darin einigen Politikern inhaltliche Nähe zum Rechtsextremismus unterstellt wurde. Auf einem Kreisparteitag ist ihm schon mal vorgehalten worden, am rechten Rand zu fischen. Das tut er, auch.

So ist er, so ungefähr. Wie Strauß. Und wer ist sein Held? Helmut Kohl.Stephan-Andreas Casdorff

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