• PORTRÄT STEPHANE ABRIAL FRANZÖSISCHER NATO-GENERAL:: „Meine Berufung hat einen hohen Symbolwert“

PORTRÄT STEPHANE ABRIAL FRANZÖSISCHER NATO-GENERAL: : „Meine Berufung hat einen hohen Symbolwert“

Zum ersten Mal seit Bestehen der Nato steht ein Europäer an der Spitze eines der beiden höchsten Kommandos der Allianz. Stéphane Abrial ist mit einer Deutschen verheiratet, Vater zweier Kinder und spricht fließend Deutsch und Englisch.

Hans-Hagen Bremer

Zum ersten Mal seit Bestehen der Nato steht ein Europäer an der Spitze eines der beiden höchsten Kommandos der Allianz. Bei einer feierlichen Zeremonie übernahm der französische Luftwaffengeneral Stéphane Abrial am Mittwoch in Norfolk, Virginia, das bisher den USA vorbehaltene Allied Command Transformation (ACT). Der Wechsel von James N. Mattis, einem General des US-Marine Corps, zu Abrial ist Teil der Vereinbarungen, die Präsident Sarkozy nach seiner Ankündigung, Frankreich wieder in die Militärstruktur des Bündnisses zurückzuführen, noch mit US-Präsident Bush getroffen hatte. Sie wurde von dessen Nachfolger bestätigt und dann beim Nato-Gipfel im Frühjahr in Straßburg von den Partnern abgesegnet. „Meine Berufung hat einen hohen Symbolwert für die Rolle der Europäer im Bündnis“, sagt Abrial.

Anders als das einem US-General unterstehende Alliierte Hauptquartier (Shape) im belgischen Mons hat das 2003 geschaffene ACT indes keine operativen Aufgaben. Es soll vielmehr über die Zukunft der Allianz nachdenken. Gesucht wird eine neue Strategie, die das noch vom Kalten Krieg angehauchte strategische Konzept von 1999 ablöst und Antworten auf die Frage nach künftigen Bedrohungen und die für die Sicherheit der Bündnispartner nötigen Mittel aufzeigt. Bis zum nächsten Nato-Gipfel 2010 in Lissabon soll das Papier vorliegen.

Für die Aufgabe, die Doktrin der in die Jahre gekommenen Allianz an neue Gegebenheiten anzupassen, ist Abrial nach Aussage derer, die seine Karriere verfolgt haben, der richtige Mann: Neben den erforderlichen militärischen Kenntnissen bringe der 55-Jährige dafür nicht minder wichtiges technisches Know-how und politisch-diplomatisches Fingerspitzengefühl mit. Er war Jagdflieger, Kommandeur eines in Deutschland stationierten Geschwaders, er nahm an der „Operation Wüstensturm“ im Irak teil, bildete griechische Piloten für die Mirage 2000 aus und absolvierte das amerikanische Air War College. Er gehörte in leitender Position den Militärstäben des früheren Präsidenten Chirac und des ehemaligen Premierministers Raffarin an. Seine größte Herausforderung bestand er als Stabschef der Luftwaffe, die er mit weniger Personal, weniger Maschinen und weniger Stützpunkten restrukturieren musste. Stéphane Abrial ist mit einer Deutschen verheiratet, Vater zweier Kinder und spricht fließend Deutsch und Englisch.

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