Porträt Stephanie zu Guttenberg : „Pornografie verdirbt unsere Kinder“

Es ist ein mahnender Appell aus Sorge um die Seelen unserer Kinder“ – so leitet die „Bild“ den Teilabdruck eines am Montag erschienenen Buches von Stephanie zu Guttenberg ein.

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Foto: Mike Wolff
Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff, TSP

Die Zeitung hat der Frau des Verteidigungsministers nicht nur fast die halbe Titelseite für die Überschrift „Pornografie verdirbt unsere Kinder“ freigeräumt, sondern auch auf die obligatorische Mandycyndijaqueline verzichtet. Zuletzt hatte dort eine Edyta, Körbchengröße 75E, ohne Körbchen fröhlich verkündet, Sex ohne Liebe sei „witzig“.

Das sieht Stephanie zu Guttenberg zwar offenbar anders, aber Mutige gehen für ihre Überzeugung zur Not ja auch in die Hölle, um den Himmel zu preisen. Stephanie und Theodor zu Guttenberg wurden auch schon bei einem Konzert von AC/DC angetroffen, er mit Band-T-Shirt, sie in Lederjacke und mit Teufelshörnern; sie wippten zu „Hells Bells“ und hatten ein „Highway to Hell“ auf den Lippen.

Das Anliegen der Autorin, Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger“, ist ernst. Es geht ihr darum, wie sexueller Missbrauch und Verrohung von Kindern verhindert werden kann. Für besonders gefährlich hält sie dabei die Sexualisierung der Gesellschaft, die sich vor allem am Pornochic von Sängerinnen zeige und an Texten von Pornorappern, aber auch am Outfit von Heidi Klum. Bei Nena habe es das nicht gegeben. Aber stimmt es, dass alles immer schlimmer wird? Und ist das Schlimme schuld am Schlimmsten, dem sexuellen Missbrauch von Kindern?

AC/DCs „Big Balls“ ist Pornografie pur – von 1976. Halbnackte Popstars, gefesselt in Lack und Leder, sind nicht, wie Stephanie zu Guttenberg meint, etwas Neues, sondern waren bereits 1977 auf dem Cover zu „Love for Sale“ von Boney M. zu sehen. Popsongs, jugendgefährdend genug für den Index, gab’s auch schon vor Bushido, zum Beispiel 1987 von den Ärzten. Zudem kam gerade eine Studie von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heraus, derzufolge Jungs und Mädchen heute später und weniger Sex haben als vor fünf Jahren. Trotz Christina Aguilera, Beyoncé und Lady Gaga.

Die Zeitung, die Stephanie zu Guttenberg als Verstärker nutzt, hat übrigens gerade einen ihrer Kolumnisten auf bemerkenswerte Weise erwägen lassen, was die beste Strafe für einen sexualisierten „Liebes-Lügner“ wie Jörg Kachelmann wäre. Es reichte am Ende allerdings nur zu einer Idee: „Kastration?“ Ein seltsam zivilisationsfeindliches Umfeld für moralische Appelle.

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