Porträt Stephen Kinnock: : „Es ist hier nicht leicht“

Der Streit zwischen Russland und Großbritannien eskaliert weiter. Jüngstes Opfer: Stephen Kinnock, der Direktor des British Council in St. Petersburg.

Matthias Thibaut

Stephen Kinnock hatte sich seine Zeit in Russland anders vorgestellt. „Manchmal ist es hier nicht leicht für internationale Organisationen“, sagte der Direktor des British Council in St. Petersburg der „St. Petersburg Times“ und beschwerte sich über die Bürokratie. Nicht einmal in Brüssel, wo er 1996 beim British Council anfing, nachdem sein Vater als EU- Kommissar dorthin gekommen war, musste das Sprachentalent so viele Formulare ausfüllen. „Aber ich denke, dass es sich weiter öffnen und in den nächsten fünf bis 15 Jahren besser werden wird.“

Es kam anders. Kinnocks Büro ist geschlossen, seit der 38-Jährige wie in einem Spionagefilm der 50er Jahre am Abend des 15. Januars von Fahrzeugen des russischen Sicherheitsdienstes FSB verfolgt und wegen einer Verkehrsübertretung festgenommen wurde. Kinnocks russische Mitarbeiter wurden zu Vernehmungen ins Hauptquartier des FSN kommandiert. Der diplomatische Streit um das St. Petersburger Büro des British Council eskalierte.

„Ich glaube, er fuhr in die falsche Richtung“, so der Pressesprecher der Organisation. Hat Kinnock Alkohol im Blut gehabt, wie die Russen behaupten? Dazu sagen die Briten nichts. Personen unter diplomatischem Schutz blasen nicht ins Röhrchen. Auch nicht in London, wo die Polizei, wie angedeutet wird, mit Verkehrssündern aus der russischen Botschaft voll beschäftigt ist. Nach einer Stunde wurde Kinnock freigelassen. Sein Institut blieb am nächsten Morgen zu – wie es Russland erreichen wollte. Großbritanniens Außenminister David Miliband war fast undiplomatisch wütend. „Verwerflich, unwürdig eines großen Landes“. Er hatte gehofft, er könne mit harschen Worten die Auslieferung des wegen des Londoner Mordes an Alexander Litwinenko angeklagten Andrej Lugowoi fordern, ohne dass andere Bereiche der bilateralen Beziehungen betroffen würden. Kinnock erhielt Anweisung, den russischen Schließbefehl zu ignorieren und die Institutspforten nach den Weihnachtsferien wieder zu öffnen.

„Wir sind zutiefst enttäuscht. Die Leidtragenden sind die Russen“, sagt der British Council. Vielleicht hat Kinnock nun mehr Zeit für seine Frau, die Chefin der dänischen Sozialdemokraten, Helle Thorning-Schmidt. Miliband indessen warnte Russland, die Sache „nicht noch schlimmer“ zu machen und, wie angedroht, den British Council wegen Steuervergehen anzuklagen. Matthias Thibaut

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