PORTRÄT STEVE SCHMIDT MCCAIN-WAHLKAMPFBERATER: : „Hinterhältige Angriffe der Linken“

Es gibt viele Vorwürfe und Gerüchte, und fast alle sind falsch. Sie lassen alles auf sie los, um zu sehen, was hängen bleibt. Steve Schmidts Klage über die Behandlung von John McCains Vizekandidatin Sarah Palin war lang und bitter. Und ein Meisterstück der Hypokrisie.

Matthias B. Krause

Es gibt viele Vorwürfe und Gerüchte, und fast alle sind falsch. Sie lassen alles auf sie los, um zu sehen, was hängen bleibt.“ Steve Schmidts Klage über die Behandlung von John McCains Vizekandidatin Sarah Palin war lang und bitter. Und ein Meisterstück der Hypokrisie. Denn hätte sich ihm eine ähnliche Gelegenheit geboten, der Wahlkampfstratege des republikanischen Präsidentschaftsanwärters hätte sie genauso skrupellos genutzt. Dafür ist er berüchtigt, damit hat er Erfolg.

Der Mann sieht aus wie ein Bodyguard. Hoch gewachsen, schwergewichtig, die Glatze frisch rasiert. Der Blick konzentriert, einige sagen: kalt. Sein Job ist nicht die physische Unversehrtheit seines Chefs, er sorgt sich um die Reinheit der Botschaft, die der unters Volk bringt. Und wehe, dabei geht etwas schief. Dann, sagen seine Mitarbeiter, zieht Schmidt hektisch die Luft durch seine geweiteten Nasenlöcher, seine Gesichtsfarbe verwandelt sich ins Dunkelrote, die Stimme wird laut, sehr laut. Manchmal rege er sich so sehr auf, dass ihm Blut aus der Nase tropfe. Aber das dementiert er.

Auch die Spitznamen, die der 38-jährige Schmidt sich verdient hat, deuten auf sein spezielles Temperament hin. „Menschliche Artillerie“ ist einer. Ziehvater Karl Rove nennt ihn „Bullet“, die Kanonenkugel. 2004 leitete Schmidt den „War Room“ für George W. Bush, jene Stätte also, aus der die schnellen, präzisen Attacken auf den politischen Gegner inszeniert werden. Seinen bis dahin größten Erfolg feierte Schmidt, als er eine fast aussichtslose Kampagne umdrehte und Arnold Schwarzenegger eine zweite Amtszeit als Gouverneur von Kalifornien verschaffte.

Zu McCain stieß Schmidt relativ spät, vor zwei Monaten. Seitdem rückte er Woche für Woche näher an das Machtzentrum heran und hält mittlerweile alle Zügel in der Hand. McCain, einst für seinen „Straight Talk Express“ bekannt, seinen Bus, in den er Journalisten einlud, um mit ihnen ausgiebig und freizügig zu plaudern, enthält sich mittlerweile jeder Spontanität. Journalisten sind für McCain nun ganz im Sinne Schmidts hinterhältige, parteiische Schnüffler. Howard Wolfson, einst Kommunikationsdirektor von Hillary Clinton, sagt über Kollege Schmidt anerkennend: „Er bringt Intensität und einen Tunnelblick mit. Er versteht, wie wichtig es ist, jeden Morgen aufzuwachen und schon zu wissen, was er am Ende des Tages über seinen Kandidaten und dessen Gegner sagen wird.“ Matthias B. Krause

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