PORTRÄT SUSANNE KLATTEN MILLIARDÄRIN: : "Wenn ich geladen werde, komme ich"

Seit Monaten erträgt sie es tapfer, wie ihr Intimleben in der Öffentlichkeit verhandelt wird. So weit bekannt, lässt Frau Klatten nichts unterdrücken oder untersagen. Das zeugt von wiedergewonnener Stärke.

Jost Müller-Neuhof
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Foto: ddp

Sie hat etwas gegen enge Verflechtungen, vor allem, wenn viel Geld eine Rolle spielt. Daimler und BMW, wird berichtet, wollen kooperieren, sogar von wechselseitiger Kapitalbeteiligung war die Rede. Doch Susanne Klatten, BMW-Mitaktionärin, und ihre Quandt-Verwandten waren da skeptisch. Enge Verflechtung kann in die Krise führen. So hatte sich die Milliardärin viel zu eng mit einem Gigolo verflochten, einschließlich einer Kapitalbeteiligung, die einseitig blieb.

Die unglückliche Liaison führt den Gigolo, den Schweizer Helg Sgarbi, an diesem Montag auf die Anklagebank des Landgerichts München. Man wirft ihm Betrug und Erpressung vor, wird ihm die Anklage vorlesen und fragen, ob er sich äußern wolle. Von der Antwort wird abhängen, ob auch Klatten erscheinen muss. Wert legt die medienscheue Frau darauf nicht. Aber Angst hat sie auch nicht.

Seit Monaten erträgt sie es tapfer, wie ihr Intimleben in der Öffentlichkeit verhandelt wird. Gelang es im vergangenen Jahr noch, die Angelegenheit monatelang unter der Decke zu halten, so dass sie erst über italienische Medien ruchbar wurde, kursieren mittlerweile Anklagesatz und Vernehmungsprotokolle. So weit bekannt, lässt Frau Klatten nichts unterdrücken oder untersagen. Das zeugt von wiedergewonnener Stärke, nachdem Helg Sgarbi sie in einem sehr schwachen Moment erwischt haben muss. Er spielte ihr den Melancholiker vor, log etwas von Kindern und Mafia, und bei Klatten öffneten sich Herz und Geldbörse.

Aber anders als andere Betrogene, vertuschte Klatten nichts und rief die Polizei. Sgarbi, der Profi-Charmeur, spricht bei den auf ihn hereingefallenen Damen von „sogenannten Opfern“, tatsächlich geht es um schwere Kriminalität. Und es ist möglich, dass vor Gericht um jeden Beweis gerungen werden muss. Sgarbi wird entweder gestehen oder hart kämpfen, um die erwartete Haftstrafe im mittleren Bereich zu halten.

So ist das Interessanteste an diesem Prozess – neben dem Angeklagten, der laut „Bild“ im Gefängnis nur in Unterhose duscht – die Strategie der Verteidigung. Schweigt Sgarbi, was sein gutes Recht ist, wird das Gericht nicht umhin kommen, Susanne Klatten vorzuladen. Gut möglich, dass die Öffentlichkeit dann ausgeschlossen wird, weil ihr Intimleben zur Sprache kommt. Deshalb ein Vorschlag: Man geht erst gar nicht hin und lässt der Frau die paar Geheimnisse, die ihr in dieser Sache noch bleiben. Jost Müller-Neuhof

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