PORTRÄT SUSANNE WINTER, FPÖ-POLITIKERIN: : „Der Islam ist totalitär“

Sie bezeichnete den islamischen Propheten Mohammed als "Kinderschänder" und "Epileptiker". In ihren Augen hat er den Koran "im Wahn verfasst". Österreichs Repräsentanten zeigen sich empört über die Lokalpolitikerin.

Markus Huber

Am Dienstagvormittag war dann auch Heinz Fischer dran: Anlässlich des Neujahrsempfangs für das Diplomatische Corps distanzierte sich der Bundespräsident von einer steirischen FPÖ-Politikerin, die am Sonntag den islamischen Propheten Mohammed als „Kinderschänder“ bezeichnet hatte. Zusätzlich hatte sie Mohammed als „Epileptiker“ bezeichnet, der „den Koran im Wahn“ verfasst habe. Vom Bundespräsidenten über den Kanzler, den Vizekanzler bis hinab zu Jörg Haiders BZÖ haben sich damit alle Repräsentanten des offiziellen Österreich von der Lokalpolitikerin distanziert, jede Menge Entschuldigungen in Richtung der islamischen Glaubenskongregation in Österreich liegen vor, die Geschichte kann damit also als abgeschlossen gelten. Vor allem auch für die betroffene Politikerin, denn auch sie hat nun ihr Ziel erreicht: Man kennt sie, in ganz Österreich und auch weit über die Landesgrenzen hinaus.

Susanne Winter ist die FPÖ-Spitzenkandidatin für die Grazer Kommunalwahl am Sonntag. Bis zu ihrer Kandidatur war sie eine unauffällige Frau, die in der Zahnarztpraxis ihres Mannes als Sprechstundenhilfe gearbeitet hat. Der Wahlkampf selbst tröpfelte dahin, in den Umfragen ist die FPÖ nur fünftstärkste Partei. Die Aufregung um ihre Mohammed-Diffamierung kommt da wohl gerade zur rechten Zeit. Und an sich ist die Provokation nichts Neues: Seit Jahren schon wird die FPÖ, auch noch unter Jörg Haider, gerade knapp vor Wahltagen verhaltensauffällig. Haider selbst hatte sich mehrmals vor Urnengängen zu Attacken gegen den Islam oder auch das Judentum hinreißen lassen. Die Empörung ist dabei immer einkalkuliert – und sie sorgt dafür, dass vor allem die FPÖ- Stammwähler am Wahltag auch tatsächlich mobilisiert werden.

Winter selbst zielt wohl ebenfalls darauf ab. Den gesamten Wahlkampf über hatte sie vor der drohenden Islamisierung von Graz gewarnt, Ausländer sind ihr einziges Wahlkampfthema. Doch erst jetzt wird davon Notiz genommen. Am Montagabend widmete das österreichische Fernsehen dem Thema eine Sondersendung, in der aufrechte Christen meinten, dass der Islam gar nicht so schlimm sei und Graz nicht überfremdet werde. „Die Presse“ lieferte eine Titelseite nach, in der den aufgeklärten Lesern erklärt wurde, dass Mohammed erstens kein Epileptiker und zweitens auch kein Kinderschänder war. So gesehen hat Susanne Winter ihr Ziel sogar mehr als erreicht. Markus Huber

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