• PORTRÄT SUSANNE GASCHKE ZEIT-REDAKTEURIN MIT AMBITION:: „Ich hatte das Politische stets in mir“

PORTRÄT SUSANNE GASCHKE ZEIT-REDAKTEURIN MIT AMBITION: : „Ich hatte das Politische stets in mir“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Michael Naumann könnte für Susanne Gaschke ein warnendes Beispiel sein. 2008, damals war er „Zeit“-Herausgeber, wollte Naumann für die SPD Bürgermeister in Hamburg werden. Trotz drei Prozent Stimmenzuwachs scheiterte Naumann. Doch der Publizist könnte für die „Zeit“-Journalistin auch ein positives Beispiel sein. Als Staatsminister für Kultur und Medien in der Schröder-Regierung hat Naumann anerkannt gute Arbeit geleistet. Allerdings war Naumann nicht vom Volk, sondern von Schröder gewählt worden.

Susanne Gaschke muss erst mal die Chance zur Wahl durch das Volk bekommen. Am heutigen Samstag entscheidet die Kieler SPD auf einer Mitgliederversammlung, wer sich um das Amt des Oberbürgermeisters bewerben soll. Gaschke hat mit Manuela Söller-Winkler, Thomas Engel und Jan Christian Kaack drei Gegenkandidaten. Alle wollen sie Nachfolger des zum Ministerpräsidenten aufgestiegenen Torsten Albig werden.

Für Kiel spricht aus Gaschkes Sicht viel. Sie wurde 1967 in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein geboren, wuchs dort auf, studierte bis zur Promotion im Fach Anglistik an der Kieler Uni. Seit 25 Jahren ist sie SPD-Mitglied, „ich hatte das Politische stets in mir“, sagte sie in einem Interview.

Ihre „Zeit“-Karriere deutete nicht zwangsläufig auf Ehrgeiz in der Kieler Kommunalpolitik hin. Was mit Reportagen und Glossen im „Länderspiegel“ der Wochenzeitung begann, ging weiter im politischen Ressort, durchaus gefördert von der „Zeit“-Doyenne Marion Gräfin Dönhoff. Fragen der Bildung, des Kindeswohls, des Postfeminismus treiben sie um, sie hat dazu mehrere erfolgreiche Sachbücher geschrieben. Gaschke argumentiert aus der Position der Kulturpessimistin und der Kapitalismuskritikerin, vielleicht auch der Lebens-Realistin; sie selber sagt von sich, sie sei in politischen Fragen pragmatisch.

Gaschke wäre nicht die einzige Vertreterin aus dem Journalismus, die sich nach dem Wechsel in die Politik von den „Prozessen und Zwängen der Konsensfindung“ (Naumann) eingeengt fühlen würde. Am Schreibtisch werden stets nur Lösungen gefunden, die sich keinem Wirklichkeitstest stellen müssen. Fremd ist ihr das Milieu nicht, sie ist mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels verheiratet. Und dann sind da noch Egon Bahr, Christian Ude und Willy Brandt. Allesamt Journalisten, die erfolgreiche SPD-Politiker wurden. Joachim Huber

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben