PORTRÄT SUSILO BAMBANG YUDHOYONO, PRÄSIDENT INDONESIENS : "Indonesien kommt voran"

Kein einfacher Job: Susilo Bambang Yudhoyono regiert eine überwiegend islamische, junge Demokratie, ein multiethnisches, multireligiöses Land mit 17.000 Inseln und 240 Millionen Menschen – ein Land, in dem lange Gewalt tobte. Wer ist dieser Mann, dessen Amtszeit bald endet?

Moritz Kleine-Brockhoff

Kein einfacher Job: Susilo Bambang Yudhoyono regiert eine überwiegend islamische, junge Demokratie, ein multiethnisches, multireligiöses Land mit 17 000 Inseln und 240 Millionen Menschen – ein Land, in dem lange Gewalt tobte. Jetzt, am Ende seiner ersten Amtszeit, ist es bis auf wenige Ausnahmen friedlich in Indonesien. Die Demokratie ist zementiert, die Wirtschaft – globale Krise hin oder her – wächst, Armut und Korruption gehen zurück. „Indonesien kommt voran“, sagt Yudhoyono und er hat recht. Davon sind offenbar auch die Wähler überzeugt: Laut Umfragen wird Yudhoyonos Partei die Parlamentswahl am heutigen Donnerstag eindeutig gewinnen. Yudhoyono ist die Partei, ihr absehbarer Erfolg Ausdruck seiner Popularität. Im Sommer dürfte Yudhoyono eine zweite Amtszeit als Staatschef gewinnen.

Der 59-jährige Susilo Bambang Yudhoyono, von den Indonesiern nur SBY genannt, tritt ruhig und souverän auf. Früher war er Berufssoldat, gehörte dem Militärregime von General Suharto an, das 1998 stürzte. Als Indonesien in der Folge demokratisch wurde, beendete SBY seine Militärlaufbahn. Er wollte als Zivilist Politkarriere machen. 2004 gewann er die Präsidentschaftswahl, weil er versprach, ohne Vetternwirtschaft zu regieren und die Korruption zu bekämpfen. Yudhoyono hielt beide Versprechen – ein Grund dafür, dass er weiterhin so beliebt ist. Während seiner Regierungszeit wurden dutzende Politiker und Geschäftsleute wegen Korruption verurteilt. „Ich respektiere die Justiz und werde nicht eingreifen“, sagte der Präsident, als sein Schwager wegen Korruption angeklagt und verhaftet wurde. Auch wenn das Urteil noch aussteht: Es sieht aus, als schütze SBY seinen Schwager nicht. So etwas kennt man in Indonesien nicht und das hat ihm noch mehr Respekt verschafft.

Fehler macht er kaum, lieber sitzt er Probleme aus als durch umstrittene Entscheidungen zu spalten. Unentschlossenheit ist deshalb der häufigste Vorwurf seiner Kritiker, und meist auch der einzige. Es könnte also schlimmer sein. Eine zwischenzeitlich bedrohliche Islamisierung des Landes setzte sich nicht fort, auch ohne ein Machtwort des Präsidenten. Und nun stehen nicht nur Yudhoyonos Partei, sondern alle säkularen Parteien offenbar sehr gut da. Laut den Umfragen werden sie bei den Wahlen insgesamt über 80 Prozent der Parlamentssitze gewinnen. Islamische Parteien dürften so schlecht abschneiden wie nie zuvor. Moritz Kleine-Brockhoff

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