Porträt Teresa Lewis : "Ich will nicht auf diese Weise sterben"

Gouverneur Robert McDonnell hat die Begnadigung abgelehnt, Amerikas Verfassungsgericht den Antrag auf Aufschub verworfen. So wird Teresa Lewis am heutigen Donnerstag, 21 Uhr Ortszeit, im Namen des Volkes mit einem Giftcocktail getötet.

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Teresa Lewis Foto: dpa
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Es ist die erste Hinrichtung einer Frau in Virginia seit 98 Jahren. 1912 wurde die Todesstrafe an dem 17-jährigen schwarzen Dienstmädchen Virginia Christian vollzogen. Sie hatte ihre weiße Arbeitgeberin umgebracht; die habe sie misshandelt. Sie stopfte der 72-Jährigen ein Handtuch in den Mund, nahm Geld und Schmuck und floh. Bei der Festnahme war sie überrascht, dass die Frau erstickt war. USA-weit ist es die erste Exekution einer Frau seit fünf Jahren. 2005 wurde Frances Newton in Texas hingerichtet; sie hatte 1987 ihren Mann und ihre drei Kinder erschossen. Zuvor hatte sie eine Lebensversicherung auf sie abgeschlossen.

Zu beiden Fällen gibt es Parallelen. Auch Teresa Lewis ist verurteilt wegen Mordes an Ehemann und Stiefsohn. Wie bei Virginia Christian gibt es Zweifel am Urteil und Debatten, welche Personen von der Todesstrafe ausgenommen sein sollten. Minderjährige werden in den USA heute nicht mehr hingerichtet – und auch nicht Menschen mit eingeschränkter Intelligenz, konkret: einem IQ unter 70. Teresa hat einen IQ zwischen 70 und 73.

Nicht die Tat ist umstritten, sondern die Bewertung. Teresa, heute 41, hatte 2002 zwei Männer beauftragt, ihren Ehemann Julian und dessen Sohn Charles umzubringen, um deren Lebensversicherungen zu kassieren. Sie legte das Geld für die Waffen vor. Mit einem der beiden, Matthew Shallenberger, damals 21 Jahre alt, hatte sie ein Verhältnis. Er überredete seinen Mitbewohner Rodney Fuller, damals 19, mitzumachen. In der Nacht des 30. Oktober 2002 drangen sie in den Wohncontainer der Lewis’ im ländlichen Pittsylvania County ein und erschossen Julian und Charles.

Der Richter sah in Teresa „den Kopf der Schlange“. In getrennten Verfahren verurteilte er die beiden Schützen Shallenberger und Fuller zu lebenslang, Teresa dagegen zum Tode. Ihre damals 16-jährige Tochter Christie bekam fünf Jahre Haft, weil sie von dem Plan wusste, aber geschwiegen hatte. Ihre Mutter hatte sie zu Sex mit den Tätern überredet. Teresa habe kalt kalkuliert, dass sie die Männer mit Sex und der Aussicht auf Geld zur Tat treiben könne. Ihre Verteidiger sehen in Shallenberger den Urheber des Mordplans: gut aussehend, mit einem IQ von 112. Er ließ sich angeblich mit Teresa nur ein, um an das Versicherungsgeld zu kommen. 2006 beging er im Gefängnis Selbstmord. Teresa sagt, sie habe in der Einzelhaft zu Gott gefunden. Sie wolle nicht auf diese Weise sterben, glaube aber, dass „Jesus den Sündern vergibt“ und sie „bald an den Himmel klopfen“ werde. Christoph von Marschall

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