PORTRÄT THABO MBEKI, PRÄSIDENT SÜDAFRIKAS: : "Ich war nicht eingeladen"

Er war ein Hoffnungsträger. Doch Thabo Mbeki wird neben seiner Unterstützung für das Militärregime in Birma und die Mullahs im Iran und Sudan vor allem für das Desaster in Simbabwe in Erinnerung bleiben.

Wolfgang Drechsler

In den Townships und unter den einfachen Menschen am Kap fühlte er sich nie zu Hause. Sein Parkett war stets die internationale Bühne, der Smalltalk mit den vermeintlich Großen und Mächtigen dieser Welt und dem eigenen Kontinent. Doch nun hat Südafrikas Präsident Thabo Mbeki selbst hier den letzten Kredit verspielt. Auf dem gestrigen Krisengipfel der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) zur Notlage in Simbabwe war Mbeki nirgendwo zu sehen – obwohl er eigentlich als Vermittler der SADC fungiert. Beleidigt ließ Mbeki wissen, ihn hätte niemand eingeladen.

Wenn dem wirklich so wäre, hätte ein solcher Affront seinen Grund: Neben Simbabwes machtbesessenem Diktator Robert Mugabe trägt keiner größere Verantwortung für den Totalkollaps Simbabwes als Mbeki. Bis zuletzt hat er der Selbstzerstörung der einstigen Kornkammer Afrikas nicht nur schweigend zugeschaut, sondern das Treiben bis zuletzt moralisch wie materiell unterstützt.

Aber auch im eigenen Land hinterlässt der 66-Jährige einen Trümmerhaufen. Die jüngsten Unruhen gegen schwarze Immigranten haben ihre Ursache darin, dass Mbeki den ungesteuerten Zuzug von allein vier Millionen Flüchtlingen aus Simbabwe jahrelang ignorierte. Zehntausende Schwarze sterben jedes Jahr am Kap unnötig an Aids, weil Mbeki in seiner Paranoia nicht etwa das HI-Virus, sondern die amerikanische CIA und die westliche Pharmabranche für die Aidsepidemie verantwortlich machte – und deshalb jahrelang die Verteilung lebensverlängernder Medikamente verzögerte.

Selbst wirtschaftlich hat Mbeki versagt. Die jüngsten Stromausfälle gehen auf seine Kappe, weil er wider besseren Wissens den Ausbau der Stromversorgung zehn Jahre lang total verschlief – mit katastrophalen Folgen für das Vertrauen der Investoren und das Wirtschaftswachstum. Bezeichnend für seinen Wunsch nach blinder Loyalität ist, dass er keinen Minister wegen Inkompetenz entließ und auch bis zuletzt an Südafrikas korruptem Polizeichef festhielt.

Mbeki wird neben seiner Unterstützung für das Militärregime in Birma und die Mullahs im Iran und Sudan vor allem für das Desaster in Simbabwe in Erinnerung bleiben. Wenn er spätestens nächstes Jahr abtritt, wird der einstige Hoffnungsträger ein furchtbares Erbe hinterlassen: Er hat Nelson Mandelas Traum, aber auch die Menschen in Simbabwe verraten.Wolfgang Drechsler

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