PORTRÄT THAN SHWE BIRMAS DIKTATOR: : „Wir werden die Gefahr zermalmen“

Nur seine Familie und engsten Gefolgsleute kennen ihn. Er lässt sich selten sehen, empfängt kaum Staatsgäste und reist nur ausnahmsweise ins Ausland. Birmas Diktator Than Shwe, Herrscher über 50 Millionen Menschen, ist einer der scheuesten Staatschefs der Welt. Aber auch einer der brutalsten.

Moritz Kleine-Brockhoff

Schätzungen zufolge sitzen mehr als 1000 politische Gefangene in Gefängnissen. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi steht noch immer unter Hausarrest.

„Wir werden, Hand in Hand mit dem Volk, die Gefahr zermalmen, die von inneren und äußeren destruktiven Elementen ausgeht, welche die Stabilität des Staates stören“, sagte Than Shwe Ende März vor 15 000 Soldaten beim nationalen Feiertag zu Ehren der Streitkräfte. Zwölf Minuten lang redete er im Stehen und mit fester Stimme. Der Auftritt trat Spekulationen entgegen, Shwe sei mit Darmkrebs todkrank. Der 74-Jährige hatte Anfang des Jahres erstmals seit Amtsantritt 1992 die staatliche Unabhängigkeitsgala verpasst. Er unterzog sich stattdessen im Krankenhaus in Singapur einer „Routineuntersuchung“, die jedoch zwei Wochen lang dauerte. Der General soll 2005 einen leichten Schlaganfall gehabt haben, Diabetiker sein und mit hohem Blutdruck sowie Kurzatmigkeit kämpfen.

Than Shwe ist ein untersetzter Mann mit klobiger Nase im runden Gesicht und Ringen unter den Augen. Meist trägt er eine helle, mit Orden behängte Uniform. 1933 südlich der Stadt Mandalay in Zentralbirma geboren, wurde Shwe nach der Schule Postangestellter. 1953 ging er zum Militär: Soldat, Bataillonskommandant, Oberst, General, Vizestabschef, Verteidigungsminister, Premierminister und schließlich 1992 „Senior General“ sowie „Vorsitzender des Staatsrates für Frieden und Entwicklung“.

Viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Ab und an weiht er öffentliche Gebäude ein. Ansonsten schottet er sich ab, seit knapp zwei Jahren in Naypyidaw, einer Retortenstadt, die die Junta 350 Kilometer nördlich der alten Hauptstadt Rangun in den Dschungel setzte. Wer politisch abweicht, lebt gefährlich: 2004 ließ Shwe den relativ moderaten Premierminister General Khin Nyunt verhaften. Seiner eigenen Tochter spendierte er dagegen vergangenes Jahr eine angeblich 300 000 Dollar teure Hochzeitsfeier. Videoaufnahmen des opulenten Festes sorgten für noch mehr Wut in der Bevölkerung, die nach 45 Jahren Militärherrschaft zu den ärmsten der Welt zählt. Moritz Kleine-Brockhoff

0 Kommentare

Neuester Kommentar