Porträt Theresia Degener : „Menschen akzeptieren Verschiedenheit“

Ohne Arme geboren zu sein, kann man wohl kaum Glück nennen. Doch Theresia Degener hatte Glück im Unglück.

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Theresia Degener
Theresia DegenerFoto: picture-alliance/ dpa

Weil ihre Eltern beide Ärzte waren und damit Respektspersonen in dem Dorf im Münsterland, wo sie mit vier Schwestern und einem Bruder aufwuchs, wurde zwar gegrummelt, aber es gab keinen harten Widerstand, als die Eltern darauf bestanden, dass die contergangeschädigte Tochter in eine ganz normale Grundschule kam. Auf dem Gymnasium in Münster machte sie später ein Einserabitur. „Menschen mit und ohne Behinderungen akzeptieren Verschiedenheit als normal, wenn sie nicht von Kindesbeinen an getrennt werden, wenn sie gemeinsam aufwachsen, Kindergarten, Schule, Hochschule oder Berufsausbildung absolvieren“, sagte Degener vor ein paar Jahren der „Stuttgarter Zeitung“. Schon als Dreijährige sei ihr klargeworden, dass das Recht, verschieden zu sein, „die zentrale Frage für behinderte Menschen ist“.

Für dieses Recht hat sich die 49-jährige Juristin ihr Leben lang eingesetzt: Als Mitgründerin des „Krüppeltribunals“ in den 80er Jahren oder während der offiziellen Eröffnung des Weltjahres der Behinderten, als sie und andere Aktivisten während der Rede des damaligen Bundespräsidenten Carstens verlangten, für sich selbst zu sprechen. Als Wissenschaftlerin hat Degener, die in Berkeley und in Frankfurt am Main promovierte, über Menschenrechte, Behinderten- und Antidiskriminierungsrecht geforscht und vier Jahre lang in der deutschen Delegation an der UN- Behindertenrechtskonvention mitgearbeitet.

Die Konvention, die sicherstellen soll, dass Menschen mit Behinderungen ihre vollen Menschenrechte wahrnehmen können, ist in Deutschland seit März 2009 in Kraft. Im Frühjahr muss die Regierung zum ersten Mal nach New York berichten, wie die Dinge hierzulande stehen. Dem Gremium, das die Umsetzung der Konvention überwacht und fördert, wird dann auch Theresia Degener angehören. Vergangene Woche wurde sie in den „UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ gewählt. „Eine große Ehre“, sagt Degener. Und noch eine große Aufgabe für die Mutter von 12- und 8-jährigen Söhnen. Degener, Professorin für Recht und Disability Studies in Bochum, wird dann nicht nur an die Uni Kapstadt pendeln müssen, wo sie Ko-Direktorin des Behindertenrechtszentrums an der Juristischen Fakultät ist. Sondern auch wieder öfter nach New York. Andrea Dernbach

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