PORTRÄT THIES GUNDLACH OBERKIRCHENRAT : „Ich verzichte auf Beschönigung“ 

Oberkirchenrat Thies Gundlach ist so etwas wie die rechte Hand des EKD-Ratsvorsitzenden und Berliner Bischofs Wolfgang Huber. Er hat den Reformprozess der evangelischen Kirche in den vergangenen zwei Jahren organisiert.

Claudia KellerD

Er sieht sich in der Rolle des Mittelfeldspielers: Auch „die müssen mal Angriff, mal Verteidigung spielen, sie müssen die Abseitsfalle beherrschen und Eigentore vermeiden“. So beschreibt Oberkirchenrat Thies Gundlach seine Aufgaben bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Gundlach ist sozusagen der Ballack des evangelischen Kirchenamtes in Hannover.

Der 53-jährige, große, dunkelblonde Hanseat hat maßgeblich den Reformprozess der evangelischen Kirche in den vergangenen zwei Jahren organisiert, er ist für das Verhältnis zur jüdischen Gemeinschaft und zur katholischen Kirche zuständig. Gundlach ist dabei so etwas wie die rechte Hand des EKD-Ratsvorsitzenden und Berliner Bischofs Wolfgang Huber. Wie dieser hält auch Gundlach wenig von beschönigenden Worten, wie er im Zusammenhang mit dem Reformpapier „Kirche der Freiheit“ sagte. In diesem Dokument hat der Pastor kühl und klar dargelegt, woran die evangelische Kirche krankt und sich nicht nur Freunde gemacht. Aber das nimmt er in Kauf. Gundlach ist ein Macher, der die Dinge vorantreiben will, ungeduldig und, wenn es sein muss, mit schneidender Schärfe.

Vor kurzem traf sein schonungsloser Blick die katholische Kirche: In einem internen Papier konstatierte er eine zunehmende Entfremdung zwischen den beiden Amtskirchen und fragte, wohin Papst Benedikt XVI. seine Kirche steuere, ob die Annäherung an die Piusbruderschaft eine Abwendung von der Moderne bedeute.

Vieles von Gundlachs Analyse trifft ins Schwarze. Dass „Signale der Verschiedenheit und Andersartigkeit“ zwischen den Kirchen stärker geworden sind, bestreitet niemand. Hätte Gundlach sich die polemischen Spitzen gegen den Papst und gegen Erzbischof Robert Zollitsch gespart, das Papier hätte wohl kaum jemanden empört. Doch der Vergleich der katholischen Kirche mit einem „angeschlagenen Boxer“ oder die Feststellung, dass vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz „eine orientierende und prägende Kraft nicht ausgeht“, empört die so Diffamierten zu Recht. Der scheidende Ratsvorsitzende Huber hat die abgrenzende Rede von der „Ökumene der Profile“ erfunden. Der Papst wertet die evangelische Kirche regelmäßig ab. Eine Frostigkeit hat sich übers konfessionelle Miteinander gelegt, die sich bis in Gundlachs Sprache ausgebreitet hat. Seine Aussagen sind Teil eines Spieles, in dem beide Seiten wie Verlierer aussehen. Claudia Keller

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