• PORTRÄT THOMAS MIDDELHOFF, EHEMALIGER ARCANDOR-CHEF:: "Die Rettung des Unternehmens ist gelungen"

PORTRÄT THOMAS MIDDELHOFF, EHEMALIGER ARCANDOR-CHEF: : "Die Rettung des Unternehmens ist gelungen"

Mit 37 Jahren sitzt er im Bertelsmann-Vorstand. Mit 45 an der Spitze des Medienkonzerns, mit 55 ist er Chef von Arcandor. Jetzt wird gegen Thomas Middelhoff ermittelt - wegen der Arcandor-Pleite.

Maren Peters

Mit 37 Jahren sitzt er im Bertelsmann-Vorstand. Mit 45 an der Spitze des Medienkonzerns, mit 55 ist er Chef von Arcandor. Und jetzt hat der einst als „Wunderkind der deutschen Wirtschaft“ gepriesene Thomas Middelhoff die Staatsanwaltschaft am Hals. Der einstige Top- Manager, der inzwischen als Investor in London lebt, soll sich an Arcandor bereichert haben – nicht nur durch die hohe Abfindung.

Ein unschöner Vorwurf für den smarten, stets gut gebräunten Strahlemann, der sich immer mehr in den Finanzmetropolen der Welt als in der deutschen Provinz zu Hause fühlte. Middelhoff hat sich selbst einmal als „Amerikaner mit deutschem Pass“ bezeichnet. Das Image passte deutlich besser zur Aufbruchstimmung der New Economy als zur spießigen Warenwelt von Karstadt und Quelle.

Dabei liegen die Anfänge Middelhoffs nicht so weit von Karstadts Miederwaren und Strickjacken entfernt: Der studierte Betriebswirt wurde als Sohn eines Düsseldorfer Textilunternehmers geboren. Mit 33 fängt er bei Bertelsmann an, gerät in den Aufbruchstrudel der New Economy, genießt große Freiheiten, bewährt sich. Vier Jahre später rückt er in den Vorstand auf, macht mit dem Verkauf von AOL Milliardenprofit und wird zum Liebling der Börse. Doch mit dem Wunsch, den Konzern an die Börse zu führen und den Einfluss der Eigentümerfamilie Mohn zu begrenzen, geht er zu weit. Er muss gehen, wird Finanzinvestor in London. Bis ihn Madeleine Schickedanz, die Karstadt-Quelle-Hauptaktionärin, als Retter ihres schon damals schwer angeschlagenen Konzerns beruft.

Den New-Economy-Stil behält Middelhoff auch beim schwerfälligen Handelskonzern bei: Er ist schnell, vollmundig, blendend. 2005 verscherbelt er kleinere Warenhaustöchter wie Sinn-Leffers und Hertie (die heute pleite sind), ein Jahr später die kompletten Immobilien (um sie anschließend teuer zurückzumieten). Er kauft den Reiseveranstalter Thomas Cook, verpasst dem Konzern den neuen Namen Arcandor. Im Januar 2007 verkündet der fünffache Vater, dass „die finanzielle Rettung des Unternehmens gelungen ist“. Ein gutes Jahr später ist der Konzern pleite.

Middelhoff soll dabei sogar verdient haben. Der Manager und seine Ehefrau waren an dem Immobilienfonds beteiligt, der Gebäude ungewöhnlich teuer an Karstadt verpachtet hat. Ob er sich dabei persönlich bereichert hat, wird nun die Staatsanwaltschaft klären.Maren Peters

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