Porträt Thomas Rudek : „Wasserpreis an den Kosten orientieren“

Der Mann kann reden, als würde er dafür bezahlt. Ein Gespräch mit Thomas Rudek, und man weiß alles, was für den Rückkauf der Berliner Wasserbetriebe spricht, man kennt sogar eine Finanzierungsmethode, die zu einer Stadt ohne Geld passt.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Mann kann reden, als würde er dafür bezahlt. Ein längeres Gespräch mit Thomas Rudek, und man weiß alles, was für den Rückkauf der Berliner Wasserbetriebe spricht, man kennt sogar eine Finanzierungsmethode, die zu einer Stadt ohne Geld passt. Thomas Rudek, der Politologe, spricht für den „Berliner Wassertisch“. Der Wassertisch hat 280 000 Unterschriften gesammelt, um den Senat per Volksbegehren zur Offenlegung der Verträge zur Privatisierung der Wasserbetriebe zu zwingen.

Und nicht nur das: Die Leute vom „Wassertisch“ wollen ein Gesetz zur „Offenlegung rechtswidriger Geheimverträge“ durchsetzen. Für den Fall, dass der Senat diese Transparenz verweigert, sollen die Privatisierungsverträge binnen eines Jahres ungültig werden.

Wasser ist in der armen Stadt Berlin ziemlich teuer geworden durch den Verkauf der früheren Eigenbetriebe. Thomas Rudek ist ein nicht ganz untypischer Bewohner Berlins – er hat nämlich keinen Job. Um so druckvoller setzt er sich dafür ein, dass ein Betrieb der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht noch dazu genutzt wird, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Geheimverträge über den Verkauf der Wasserbetriebe, die neuerdings teilweise im Internet nachzulesen sind, „offenbaren die exklusiven Parallelwelten der Elite“, so Rudek: „Da werden unbefristete Verträge abgeschlossen mit Gewinngarantien, die eindeutig gegen ein höchstrichterliches Urteil des Verfassungsgerichts verstoßen.“

Rudek habe sich, so sagt eine gute Bekannte sinngemäß, in seine persönliche Situation nicht gefügt, er kritisiert das System und will es auf politischem Weg verändern. Bevor er zum Sprecher, man könnte auch sagen, zum Gesicht des Wasser-Volksbegehrens geworden ist, hat er die Hartz-IV-Gesetze attackiert. Er hat sich mit dem „Öffentlichen Beschäftigungssektor“ des Senats befasst und eigene Ideen dagegengesetzt. Er gehört zu der Art Bewohner dieser Stadt, für die Politik etwas ganz Wesentliches ist.

Beim Volksbegehren verdanken sie ihm viel: Er sei der Netzwerker und Kommunikator, der von der DKP bis zu den Laubenpiepern die Leute zusammenbringe. Wenn es dann gut läuft, wenn aus dem Groll eine Welle des Protests wird, dann, sagen Freunde, reite Rudek diese Welle und strahle dabei Freude aus. Werner van Bebber

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