PORTRÄT TINA FEY IMITATORIN VON SARAH PALIN: : "Ich sehe Russland von meinem Haus!"

Dies ist einer der seltenen Fälle, wo die Parodie besser ist als das Original. Der Vorschlag macht bereits die Runde, der Republikaner John McCain solle seine Vizepräsidentschaftskandidatin austauschen und Sarah Palin durch Tina Fey ersetzen.

Christoph von Marschall

Womöglich würde das vielen Amerikanern nicht einmal auffallen. Erstens sieht die Schauspielerin Fey der Gouverneurin von Alaska zum Verwechseln ähnlich und hat sich Palins Sprechweise und Gestik in verblüffender Weise zu eigen gemacht. Zweitens, sagen die Urheber der Idee, könne Fey kompetenter über Politik reden als Palin. Die Frage nach der Bush-Doktrin, zum Beispiel, oder nach umstrittenen Verfassungsgerichtsurteilen hätte sie wohl beantworten können. Drittens darf man die Wette wagen, wer von beiden mehr Fans unter Fernsehzuschauern hat.

Tina Fey spielt seit wenigen Wochen Sarah Palin in der NBC-Unterhaltungsshow Saturday Night Life, kurz SNL. Das für Palin peinliche Originalinterview mit Katie Couric, Moderatorin der Hauptnachrichtensendung des Senders CBS, über Wirtschaftskrise und Außenpolitik sahen eine Million, die Persiflage in SNL rund zehn Millionen – und mehr als fünf Millionen clickten das Video auf www.nbc.com oder auf Youtube an. Bei der Vizepräsidentschaftsdebatte ist es (noch) umgekehrt. 70 Millionen verfolgten den Schlagabtausch zwischen Sarah Palin und Joe Biden am vergangenen Donnerstag, das Video mit der Parodie bisher erst wenige Millionen. Der größte Renner ist ein fiktiver Auftritt von Palin mit Hillary Clinton, der im Internet bereits mehr als zehn Millionen Mal geklickt wurde. Das Zitat „und ich kann Russland von meinem Haus aus sehen“, mit dem Palin/Fey ihre angebliche außenpolitische Kompetenz begründet, ist zum Running Gag in Alltagsgesprächen in den USA geworden.

Tina Fey war schon zuvor berühmt und erfolgreich als Autorin von Sketchen, Schauspielerin und Produzentin. Die 38-Jährige hat fünf Emmys, einen Golden Globe und Filmpreise gewonnen. Aber als Palin-Imitatorin ist sie in eine neue Dimension nationaler Popularität vorgestoßen. Es ist eine Rückkehr zu den Anfängen. Auch ihren ersten Karrieresprung verdankte sie Saturday Night Life. 1997 begann sie Szenen für die Show zu schreiben, 1999 wurde sie Chefautorin, 2000 wechselte sie zu den Darstellern von SNL. 2006 bekam sie ihre eigene TV-Show, „30 Rock“ – und 2008 eine Rolle im Kinohit „Baby Mama“. Christoph von Marschall

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