PORTRÄT TOM KOENIGS UN-BEAUFTRAGTER IN KABUL: : „Wir verhandeln auch mit dem Teufel“

Hans Monath

Wer ein heikles Amt aufgibt, provoziert in der Regel Spekulationen über den tieferen Grund der Entscheidung. So geht es nun dem UN-Sonderbeauftragten für Afghanistan, Tom Koenigs. Der frühere Grünen-Politiker hat angekündigt, dass er den Posten nach zwei Jahren aufgeben und das Land zum Jahresende verlassen will.

Es ist jedenfalls nicht Verzweiflung über Rückschläge beim Aufbau des Landes, die den 63-jährigen Koenigs zur Rückkehr bewegt. Denn der Defätismus der Mehrzahl seiner deutschen Landsleute im Hinblick auf Afghanistan ist dem Vertrauten von Ex-Außenminister Joschka Fischer fremd. In seinen Augen zeichnet die deutsche Debatte „ein schiefes Bild“ der Lage. Tatsächlich seien die Kämpfe mit den Taliban auf den Süden beschränkt, in vielen Provinzen mache der Aufbau große Fortschritte.

Weit besser als viele Berliner Politiker hat Koenigs auch erkannt, welche Gefahr die Propaganda der Taliban bedeutet. Deren Gewalttaten sollen die labile Stimmung der deutschen Bevölkerung so beeinflussen, dass die Regierung die Bundeswehr abzieht. Weil er überzeugt ist, dass häufig unzufriedene Stämme mit den Taliban gemeinsame Sache machen, plädiert der Beauftragte für Gespräche. „Wir verhandeln auch mit dem Teufel“, sagte er der „Welt“.

Brisant ist Koenigs Entscheidung auch deshalb, weil die USA und Großbritannien darauf drängen, einen internationalen Afghanistankoordinator zu installieren, der mit einem politischen Schwergewicht wie etwa Tony Blair besetzt werden soll. Doch noch ist unklar, ob diese neue Struktur den UN-Beauftragten ersetzen würde. In Berliner Regierungskreisen war schon längere Zeit bekannt, dass der Deutsche nach zwei Jahren keine zweite Amtszeit mehr anstrebte. Vertraute Koenigs versichern, dass er Kabul aus persönlichen Gründen verlassen wolle. Die ständige Präsenz von einem Dutzend rumänischer Leibwächter und das Leben in seinem tristen Domizil, einem früheren KGB-Gebäude, dürfte Koenigs jedenfalls kaum vermissen.

Gerne hätte die Grünen-Spitze den UN-Vertreter kürzlich als psychologische Waffe auf dem Afghanistan-Parteitag eingesetzt. Doch Koenigs hielt einen Auftritt für unvereinbar mit seiner internationalen Rolle: Der Parteitag lief aus dem Ruder. Für künftige Afghanistan-Debatten der Grünen dürfte Koenigs bald wieder zur Verfügung stehen. Hans Monath

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben