• PORTRÄT TONO EITEL „BEUTEKUNST“-DIPLOMAT:: „Die letzten Gefangenen des Weltkriegs“

PORTRÄT TONO EITEL „BEUTEKUNST“-DIPLOMAT: : „Die letzten Gefangenen des Weltkriegs“

Sebastian Bickerich

Man würde diesem Mann die Rente durchaus gönnen. Im Libanon hielt er mitten im Bürgerkrieg in den 80er Jahren die deutsche Fahne als Botschafter hoch, Mitte der 90er führte der Diplomat als deutscher UN-Botschafter in New York zeitweise den Vorsitz im Sicherheitsrat. Doch statt im Kreis der Familie die Pension zu genießen, hat es der 74-jährige Tono Eitel nun mit ungleich schwierigeren Partnern zu tun: mit der in Auflösung befindlichen konservativen Kaczynski-Regierung in Warschau.

Seit 2002 führt Eitel die Verhandlungen mit Polen und der Ukraine über die Rückgabe der sogenannten Beutekunst – in jüngster Zeit mit immer weniger Erfolg. Stockten die Verhandlungen mit Warschau etwa über eine Rückgabe von über 700 000 Bänden aus dem Bestand der Preußischen Staatsbibliothek oder der Deutschen Luftfahrtssammlung bereits seit 2005 wegen der starren Haltung der polnischen Regierung, so sind sie jetzt endgültig zum Erliegen gekommen. Das mag vordergründig an der etwas forschen Wortwahl liegen, mit der Eitel einen Sammelband über die „Beutekunst“-Kulturgüter einführt. Von den „letzten Gefangenen“ des Krieges ist da laut einem Vorabbericht der „FAZ“ die Rede, von einer „Wunde im deutschen Kulturleben“, die sich auch nicht „durch eine Therapie der Erinnerung an kausale deutsche Verbrechen“ schließen ließe.

Die von nationalen Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Regierung in Warschau schien auf so eine Einladung indes nur gewartet zu haben. In mittlerweile üblicher Manier ließ Außenministerin Anna Fotyga eine Erklärung als Reaktion auf den Zeitungsbericht aufsetzen, in der es heißt: „Die Anmeldung irgendwelcher Ansprüche muss von Polen hingenommen werden wie eine Lust zum Ausradieren des Unterschiedes zwischen Täter und Opfer.“ Jeglicher Anspruch auf diese Kulturgüter sei „gänzlich grundlos“. Die Schärfe der Erklärung vergleichen deutsche Diplomaten hinter vorgehaltener Hand damit, „als würde Angela Merkel nach jeder Satire über sie in der Warschauer Presse gleich den Botschafter einbestellen“. Eitel sei gleichwohl mit der Entwicklung „nicht glücklich“.

Immerhin findet sich am Ende der Erklärung der Hinweis, dass Polen sich zur Aufnahme von Gesprächen über den „Austausch“ von Kunstwerken nicht versperre, wenn denn diese Gespräche in „angemessener Atmosphäre“ stattfänden. Wie die aussehen kann, darüber kann sich Tono Eitel nun Gedanken machen. Sebastian Bickerich

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