PORTRÄT TORSTEN ALBIG KIELER OBERBÜRGERMEISTER: : „Wo die SPD ist, da ist die Mitte“

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Der Parteikompass der schleswig-holsteinischen SPD muss offenbar neu justiert werden: Der neue starke Mann steht für einen anderen Kurs. Noch sitzt Torsten Albig als Oberbürgermeister im Kieler Rathaus. Der 47-Jährige strebt aber nach Höherem: 2012 will er als Ministerpräsident in die Staatskanzlei einziehen. Von beiden Standorten kann der Spitzenkandidat, der sich vor wenigen Tagen bei einer Mitgliederbefragung gegen den Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner klar durchgesetzt hat, auf einen gewaltigen Schuldenberg gucken. Und da ist der ehemalige Kämmerer der Stadt Kiel, Konzernsprecher der Dresdner Bank und Sprecher von Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, gleich in seinem Element, nämlich bei Zahlen.

Mit Albig hat der stets als links verortete Landesverband einen neuen Typ als Hoffnungsträger auserkoren, an den sich mancher noch gewöhnen muss. Denn Albig, der seine Parteikarriere im Ortsverband des ostholsteinischen Lütjenburg startete, ist noch nicht so gut in den eigenen Gremien vernetzt, auch Sätze wie „Programme müssen der Realität angepasst werden, nicht die Realität den Parteiprogrammen“ verursachen bei etlichen Genossen gewaltiges Schlucken. „Wo die SPD steht, da ist die Mitte“, gibt Albig als Richtung aus.

Flammende Reden kommen nicht aus seinem Munde. Doch der Pragmatiker zieht eine klare Kante: Keine Zusammenarbeit mit der Linken! Sein Selbstbewusstsein rührt auch daher, dass er 2009 die CDU-Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz überraschend ablöste. Damals investierte er seinen Jahresurlaub, um unmittelbar vor der Direktwahl Wahlkampf zu betreiben. So will er es auch nächstes Jahr halten, wenn sein Gegenspieler wohl Christian von Boetticher, CDU-Landes- und Fraktionschef, heißt. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki stellte bereits fest, dass es schwieriger sei, eine Wahl gegen Albig als gegen Stegner zu gewinnen. Respekt und Vorschusslorbeeren selbst aus dem anderen Lager – dabei muss Albig seine Schwerpunkte erst noch markieren, damit seine Ankündigung, er wolle einen inhaltlichen Wahlkampf machen und auf wirtschaftliche Stabilität, soziale Gerechtigkeit und finanzpolitische Solidität setzen, nicht Politfloskel bleibt.

Als direkt nach seinem Sieg über Stegner viele dessen Kopf forderten, reichte Albig seinem Rivalen die Hand: Fortan wolle man als Tandem fungieren. Jeder weiß aber, wer dabei lenkt – und wer nur für Trittkraft sorgt. Dieter Hanisch

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