PORTRÄT : „Treibhausgase schaden der Gesundheit“

Lisa P. Jackson, die Chefin der mächtigen US-Umweltbehörde Epa, schätzt Treibhausgase wie Schadstoffe ein. Das kann US-Präsident Barack Obama bei seiner Klimapolitik entscheidend helfen.

Dagmar Dehmer

Zehn Jahre wurde in der amerikanischen Öffentlichkeit darüber gestritten, ob Treibhausgase ähnlich wie Luftschadstoffe zu behandeln sind. Schon 2007 hatte der Oberste Gerichtshof so entschieden – und der USUmweltbehörde Epa die Möglichkeit eingeräumt, den Ausstoß von Treibhausgasen entsprechend zu regulieren. Doch unter der früheren amerikanischen Regierung hielt sich die Epa zurück. Als der neue US-Präsident Barack Obama die 47-jährige Lisa Jackson zur Epa-Chefin machte, war das auch ein Signal, dass in dieser Frage bald eine Entscheidung fallen würde. Am Montag nun hat Jackson Treibhausgase auch offiziell als schädlich für das Wohlergehen der Amerikaner eingestuft und damit die Grundlage für eine schärfere Regulierung geschaffen.

Jackson ist die erste schwarze Chefin der mächtigen US-Umweltbehörde. Sie wurde in Philadelphia geboren, wenige Wochen nach ihrer Geburt aber von einer Familie in New Orleans adoptiert. Sie studierte Chemie und begann ihre Karriere 1986 bei der Epa. Nach 16 Jahren wechselte sie an die Spitze der Umweltbehörde des Bundestaates New Jersey. Schon dort stand Jackson für eine entschlossene Klimapolitik. Sie legte einen Plan vor, wie New Jersey seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent senken könnte.

Jackson hatte eigentlich Hillary Clinton in ihrer Präsidentschaftskampagne unterstützt. Dennoch holte Obama sie schon in sein Übergangsteam, das die Regierungsübernahme vorbereitete. In ihrer Anhörung vor dem Kongress sagte Jackson: „Die Wissenschaft wird meine Leitschnur für die Regulierung sein.“ Sie wies eindringlich darauf hin, dass ihre Mutter in New Orleans durch den Hurrikan „Katrina“ alles verloren hatte, was sie besaß – auch weil die von der Bundesregierung gebauten Dämme nicht gehalten hatten.

Ihre Mutter habe unter „umweltpolitischer Vernachlässigung“ gelitten, sagte sie. Auch viele andere Amerikaner bekämen die Folgen einer schwachen Umweltpolitik zu spüren. Das wolle sie ändern. Wenn sie nun darangeht, Begrenzungen des Treibhausgasausstoßes für große Industrieanlagen zu erlassen, muss sie sich aber auf einen zähen Kampf mit den betroffenen Konzernen einrichten. Die haben nämlich direkt nach der Epa-Entscheidung bereits mit jahrelangen Gerichtsverfahren gedroht, falls die Regierung ernst macht. Vielleicht geht es im Senat doch schneller.

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