• PORTRÄT TRISTANE BANON FRANZÖSISCHE DSK-ANKLÄGERIN:: „Ich wollte nicht mehr als Lügnerin gelten“

PORTRÄT TRISTANE BANON FRANZÖSISCHE DSK-ANKLÄGERIN: : „Ich wollte nicht mehr als Lügnerin gelten“

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Sie lebt zurückgezogen mit ihrem Hund Flaubert in einem Pariser Vorort. Sie schläft schlecht. Arbeit hat sie keine. Ihr Verleger hat den Vertrag mit ihr gekündigt – aus Rücksicht auf Dominique Strauss-Kahn, wie sie vermutet. Dessen Wahlkampfveröffentlichungen sollte er herausbringen, als der Ex-IWF-Chef noch als Favorit der Sozialisten für die Präsidentenwahl 2012 galt. So verbringt Tristane Banon derzeit ihre Tage damit aufzuschreiben, was ihr seit dem 15. Mai durch den Kopf geht.

An dem Tag hatte sich das Leben der 32-jährigen Journalistin und Schriftstellerin verändert – ein zweites Mal. Das erste Mal war am 11. Februar 2003. Für ihr Erstlingswerk „Eingestandene Irrtümer – von Männern“ war sie damals zu einem Gespräch mit dem früheren Finanzminister Strauss-Kahn verabredet. Es wurde für sie zur „Hölle“. Wie ein „brünftiger Schimpanse“ sei er über sie hergefallen. Ihre Mutter, die Einzige, mit der sie darüber sprach, hatte ihr von einer Klage abgeraten. Die ist eine sozialistische Lokalpolitikerin, ihre Tochter ist das Patenkind von Strauss-Kahns zweiter geschiedener Frau. Seit dem Tag, an dem Strauss-Kahn in New York wegen eines Sexualverbrechens unter Anklage steht, hat Banon nun mit sich gerungen. Am Dienstag reichte sie bei der Staatsanwaltschaft Klage wegen versuchter Vergewaltigung ein. „Ich wollte nicht mehr als Lügnerin gelten, nur weil ich nie Anzeige erstattet habe“, sagt sie.

Strauss-Kahns Anwälte kündigten sofort eine Gegenklage wegen Verleumdung an. Wenn es zu einem Prozess kommt, wird also Aussage gegen Aussage stehen. Zeugen für das, was damals in einer halb leeren Wohnung am Montparnasse geschah, gibt es nicht. Was sie darüber später in einer Fernsehsendung sagte, würde eher auf einen sexuellen Angriff hindeuten, der bereits nach drei Jahren verjährt wäre. Die Kriterien für eine versuchte Vergewaltigung, die erst nach zehn Jahren verjährt, sind im Strafrecht klar definiert. Zwei Monate hat die Staatsanwaltschaft Zeit, um einen Untersuchungsrichter einzuschalten oder den Fall als verjährt zu den Akten zu legen.

In New York stellte sich Kenneth Thompson, der Anwalt der 32-jährigen New Yorker Hotelangestellten, die Strauss-Kahn beschuldigt, auf ihre Seite: „Ich unterstütze Tristane Banon.“ Die glaubt nicht, dass das, was in New York entschieden wird, Einfluss auf ihre Klage haben könnte: „Was Strauss-Kahn dort gemacht hat, ändert nichts an dem, was er mir angetan hat.“ Hans-Hagen Bremer

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