Porträt über Vasilios Rapanos : „Wir kommen aus der Krise“

Andere Leute gehen in seinem Alter in Rente. Vasilios Rapanos aber übernimmt den schwierigsten Job, den Europa gerade zu bieten hat. Er wird Finanzminister Griechenlands.

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Foto: Reuters Foto: REUTERS
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In einem Alter, in dem andere in Pension gehen, übernimmt Vasilios Rapanos den schwierigsten Job seines Lebens. Aus dem repräsentativen Büro des Präsidenten der National Bank of Greece (NBG), des größten privaten Kreditinstituts des Landes, zieht er um in das sehr viel bescheidenere Amtszimmer des Finanzministers.

Rapanos kennt sich aus im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz. Von 2000 bis 2004 war er Vorsitzender des Sachverständigenrates im damaligen Wirtschafts- und Finanzministerium. In dieser Eigenschaft gehörte er zu den engsten Beratern des seinerzeitigen Ministerpräsidenten Kostas Simitis. Der hatte Griechenland Ende der 90er Jahre mit einem strikten Reformkurs, aber auch mit geschönten Statistiken, wie Kritiker sagen, in die Währungsunion geschleust. Jetzt soll Rapanos dafür sorgen, dass die Griechen den Euro behalten dürfen.

Der 65-jährige Wirtschaftsprofessor, der von der Dodekanes-Insel Kos stammt, übernimmt die undankbarste Aufgabe im neuen Kabinett. Das Land ist praktisch pleite – wieder einmal. Knapp zwölf Milliarden Euro muss Athen in den Jahren 2013 und 2014 zusätzlich streichen, um die Sparziele zu erreichen. Es sei denn, die EU lockert die Vorgaben. Darüber will Rapanos in den nächsten Wochen mit der Troika sprechen. Der hochgewachsene, hagere Mann mit der randlosen Brille gilt als geschickter Verhandlungsführer: Er tritt stets verbindlich und zuversichtlich auf, versucht mit ruhig vorgetragenen Argumenten zu überzeugen, scheue sich aber auch nicht, wenn nötig, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, sagen Mitarbeiter.

Auch politisch hat Rapanos Rückgrat bewiesen: Während des Studiums an der Athener Wirtschaftsuniversität agitierte er gegen die damalige Obristenjunta, wurde 1969 festgenommen, vor ein Militärgericht gestellt und zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Erst nach dem Sturz der Junta 1974 kam er frei und ging nach Kanada, wo er sein Studium an der Queen’s University in Kingston mit der Promotion abschloss. 1992 berief ihn die Universität Athen zum Professor für Volkswirtschaftslehre.

Als scheidender Bankchef weiß Rapanos um die Wichtigkeit jener Aufgabe, die jetzt ganz weit oben auf der Agenda steht: die Rekapitalisierung der schwer angeschlagenen griechischen Banken. Nachdem sich die Vorgängerregierung nicht über die Modalitäten der Kapitalerhöhungen einigen konnte, muss Rapanos nun diese Aufgabe lösen. Gerd Höhler

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