Porträt Ulrich Schoeneich : ''Ich kenne keine rechte Szene''

Lokalpatriotismus macht bisweilen blind. Nun hat es Ulrich Schoeneich erwischt, parteilos, Jahrgang 1951, Bürgermeister von Templin.

Thorsten Metzner

Die „Perle der Uckermark“ im Nordosten Brandenburgs, 16 000 Einwohner, der Fläche nach die fünftgrößte Stadt der Bundesrepublik, hat hässliche braune Flecken bekommen: Seit dem Mord an einem 55-jährigen arbeitslosen Tischler durch Rechtsradikale und der Misshandlung eines 16-Jährigen ebenfalls durch Neonazis steht Templin bundesweit im Rampenlicht.

Und prompt ist Schoeneich, obwohl er einer der dienstältesten Rathausschefs im Land ist, wie viele ostdeutsche Politiker vor ihm in die Falle getappt, die rechte Gefahr zu verharmlosen, zu beschönigen. Aus Angst um den Ruf der Kurstadt? Trotzig hat er erklärt: „Ich kenne keine rechte Szene.“ Dabei muss er es als Bürgermeister, der seit nunmehr 18 Jahren die überschaubare Kleinstadt regiert, besser wissen. Und als ob er nicht schon genug in der Kritik stünde, warf Schoeneich jetzt auch noch Justiz und Polizei vor, die Stadt nicht über Rechtsradikale informiert zu haben.

Trotzdem typisch für diesen Mann, der als „uckermärkischer Sturkopf“ gilt. „Es entschuldigt nichts: Aber wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, wenn es um Templin geht, dann rennt er auch mit dem Kopf durch die Wand“, sagt einer, der ihn gut kennt. So habe Schoeneich Templin nach vorn gebracht, das Thermalbad durchgesetzt, und dann, als es in Schwierigkeiten steckte, dessen Sanierung.

Ein Angepasster war der Pfarrerssohn nie, der zu DDR-Zeiten nicht bei den Jungen Pionieren war und keine Jugendweihe machte, der nicht auf die Oberschule durfte. Das Abitur holte er nach. Nach dem Maschinenbaustudium in Dresden arbeitete er seit 1981 als technischer Leiter des evangelischen Pflegeheims Waldhof in Templin, Horst Kasner, der Vater Angela Merkels, lehrte nebenan am Pastoralkolleg. Er war es auch, der im Herbst 1989 Helmut Schoneich für die SDP, die neu gegründete Sozialdemokratische Partei im Osten gewann, sagte der Bürgermeister einmal. Aber auch als Sozialdemokrat blieb er unorthodox – Angela Merkel lobte er stets in höchsten Tönen. „Ein Segen für die Frauen“, ein „Sprachrohr der Ostdeutschen“. Als sich der Templiner Bürgermeister im Jahr 2005 mit den Stadt-Genossen überwarf, gab Schoeneich das SPD-Parteibuch zurück. Niemand konnte ihn umstimmen.Thorsten Metzner

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