PORTRÄT ULRICH SCHLÜER SCHWEIZER MINARETTGEGNER: : „Ich bin sehr befriedigt“

Er ist der Initiator der Volksabstimmung über Minarette: Ist er ein Hetzhund oder der Retter Helvetiens?

Jan Dirk Herbermann

Seit Sonntag steht bei einem gewissen Ulrich Schlüer, wohnhaft in Flaach, Zürcher Weinland, das Telefon nicht mehr still. Mal meldet sich die britische BBC, mal sind es die Kollegen vom Schweizer Radio, mal wollen deutsche Medien die Motivation des 65-jährigen promovierten Historikers ergründen. Schlüer ist der geistige Vater der Schweizer Anti- Minarett-Initiative. Der Abgeordnete der Schweizerischen Volkspartei (SVP) feiert nun den größten Triumph seiner politischen Karriere am äußersten rechtsnationalen Rand der helvetischen Demokratie.

Seine Landsleute stimmten mit großer Mehrheit seinem Plan zu: In Zukunft darf niemand mehr in der Schweiz ein Minarett bauen. „Ich bin sehr befriedigt“, näselte Schlüer schon nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen in sein Telefon. Der Kampf gegen die schleichende „Islamisierung“ der Schweiz habe sich gelohnt. „Wir treten dem Versuch entgegen, das Scharia-Recht an der Verfassung vorbei in der Schweiz Schritt für Schritt durchzusetzen.“

Und dann begann er wieder zu schwadronieren: Zwangsehen, Steinigungen, Genitalverstümmelungen, der flächendeckende Zwang, die Burka zu tragen. Das alles habe der Schweiz gedroht. Doch er und seine Mitstreiter hätten das Land vor dem Ungemach bewahrt. Gleichzeitig versichert Schlüer: Die Muslime sind nicht unsere Feinde. Niemand wolle die Muslime diskriminieren, niemand wolle die Religionsfreiheit infrage stellen.

Schlüer verbreitet seine Ideen auch in seiner Zeitschrift „Schweizerzeit“. Die Postille gehört zum geistigen Rüstzeug aller rechtsnationalen Eidgenossen. „Schlüer ist ein politischer Hetzhund“, analysiert der Genfer Soziologe Jean Ziegler. „Er weiß genau, wo die möglichen Opfer sind.“ Schlüers Gegner müssen aber auch einräumen, dass der Mann mit den roten Haaren immer gut vorbereitet ist. „Im Parlament wird er für seine Sachkunde geschätzt und für seinen Stil gefürchtet“, erklärt der christlichdemokratische Abgeordnete Bruno Frick.

Seine ersten Sporen im nationalkonservativen Lager erwarb sich Schlüer als Sekretär von James Schwarzenbach. Der wollte die Schweiz mit einem fixen Anteil ausländischer Bürger vor der „Überfremdung“ schützen. Hätten die Schweizer den Plänen Schwartenbachs 1970 zugestimmt, hätten die Behörden 300 000 Menschen ausweisen müssen. Jan Dirk Herbermann

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