Porträt : „Unsere Wähler sind ja nicht doof“

Die liberalen Wahlkämpfer in Niedersachsen blicken mit zwiespältigen Gefühlen auf ihren Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Stefan Birkner. Der weigert sich, den Heilsbringer zu geben.

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Er ist kein Wolfgang Kubicki und auch kein Christian Lindner. Den Heilsbringer zu geben, wie die erfolgreichen Wahlkämpfer in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, kann und mag Niedersachsens FDP-Spitzenkandidat und Umweltminister nicht. „Das bin ich einfach nicht“, sagt der frühere Staatsanwalt und Richter Stefan Birkner. „Einfach nur Schlagzeilen der Schlagzeilen wegen rauszuhauen, ist nicht mein Ding.“

So blicken die liberalen Wahlkämpfer zwischen Nordseeküste und Harz denn auch mit zwiespältigen Gefühlen auf ihren 39-jährigen Landesvorsitzenden: Reichen die von dem zweifachen Familienvater gepflegte Besonnenheit und der propagierte Schmusekurs mit dem Koalitionspartner CDU am 20. Januar wirklich, um die derzeit zwischen drei und vier Prozent darbende FDP wieder in das Parlament von Hannover zu hieven?

Birkner gibt sich davon felsenfest überzeugt. Nicht die Fünfprozenthürde sei das Problem, sondern die Punkte darüber, ob es tatsächlich zur Fortsetzung der CDU/FDP-Regierung reiche, meint der liberale Landeschef lächelnd, aber voller Ernst. Als „das am besten funktionierende schwarz-gelbe Bündnis in ganz Deutschland“ lobt der Minister die Zusammenarbeit mit CDU-Regierungschef David McAllister, den er noch aus gemeinsamen Studienzeiten kennt und schätzt. Selbst die harte Asylpolitik von CDU-Innenminister Uwe Schünemann löst keinen Streit aus. Birkner weiß, dass seine FDP nur in einem Lagerwahlkampf gegen Rot-Grün eine Chance hat, dass die Liberalen auf Leihstimmen vom Partner angewiesen sind. Denkbar sind für ihn folgerichtig auch gemeinsame Wahlkampfauftritte mit der CDU.

Nüchtern mahnt der Umweltminister Reformen bei der komplizierten Abfallentsorgung an, geradezu vorsichtig fordert er seine Bundespartei auf, die ablehnende Haltung zum Mindestlohn doch bitte zu überdenken: Ein Krawall-Wahlkampf gegen Berlin ist bei Birkner undenkbar, gegen den umstrittenen FDP-Chef Philipp Rösler erst recht. Beide prägt die lange gemeinsame Zeit bei den Julis, beide haben zusammen Tiefen und Höhen ihrer Partei durchgestanden, beide Familien sind eng befreundet.

„Wir lassen uns nicht verrückt machen“, gibt Birkner als Credo aus. „Wir bleiben verlässlich.“ Und damit werde die FDP am Ende auf jeden Fall die notwendigen Stimmen einstreichen. „Unsere Wähler sind ja nicht doof.“ Peter Mlodoch

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