Porträt Ursula Vierkötter : "Wichtig ist auch, wie ein Haus riecht"

Ursula Vierkötter leitet seit Oktober 2006 das Karstadt-Haus in Köln. Demnächst wird die 43-jährige Betriebswirtin neue Chefin im KaDeWe, dem größten Kaufhaus des Kontinents.

Bernd Matthies
Vierkoetter Foto: Bild-Zeitung
Ursula Vierkötter -Foto: Bild-Zeitung

Wer eine anständige Kaufhauskarriere machen will, der hat unten anzufangen, bei den Kochtöpfen und Zierfischen. Dann führt der Weg ins Büro und von Haus zu Haus aufwärts – bis dann am Ende der Chefsessel in einem Haus wartet, für das der Name „Kaufhaus“ viel zu profan ist. Die 43-jährige Kölner Betriebswirtin Ursula Vierkötter hat 18 Jahre für diesen Weg gebraucht, wenn sie demnächst Chefin im KaDeWe, dem größten Kaufhaus des Kontinents, wird; offiziell noch unbestätigt, ist sie offenbar als Nachfolgerin von Patrice Wagner vorgesehen – der einst als Schuhverkäufer in Frankreich angefangen hatte.

Ursula Vierkötter – bekennende Katholikin, ein Sohn, ein Lebensgefährte, Hobbys: Rennrad, Ski, Wind surfen – leitet seit Oktober 2006 das Karstadt-Haus in Köln, als eine von etwa 20 Frauen in vergleichbarer Konzernposition. Vor einem Jahr sagte sie in einem Interview: „Karriere muss man nicht um jeden Preis machen“, man dürfe sich vor allem nicht verbiegen. Aber ihre damalige Einschätzung, sie habe noch ein paar Jahre in Köln zu tun, bis alles funktioniere, erwies sich als voreilig.

Was könnte sich ändern im KaDeWe? Ihre Meriten in Köln hat sich Ursula Vierkötter mit einem Facelift des Hauses verdient, und sie hatte sich dabei das Ziel gesetzt, „aus dem männlichen Haus ein weibliches zu machen“, dabei beispielsweise auf die Kleidung der Verkäuferinnen zu achten und zu grelles Licht in den Umkleidekabinen zu dämpfen: „Wichtig ist auch, wie ein Haus insgesamt riecht.“

Das KaDeWe hat diese Schritte hinter sich, und es riecht insgesamt schon ganz gut. Möglicherweise geht es jetzt, nach dem weitgehend vollzogenen Umbau, auch darum, die Verletzungen zu heilen, die Wagners konsequentes Umkrempeln des ganzen Hauses zwangsläufig hinterlassen musste. Ursula Vierkötter, die sich selbst als leidenschaftliche Verkäuferin bezeichnet, könnte ihre Aufgabe nun vor allem in der Konsolidierung des Erreichten sehen. „Frauen agieren viel sachbezogener“, sagt sie, „während viele Männer davon getrieben werden, was ihrer Karriere dienlicher ist.“

Doch der Schritt von Karstadt zum KaDeWe ist so groß wie der Schritt von Köln nach Berlin. Denn was Vierkötter als Karstadt-Erfolgsmotto nennt, „sieht aus wie Gucci, kostet aber nur ein Drittel“, das wirkt am Wittenbergplatz nicht mehr. Dort ist es Gucci, und es darf kosten, was es eben kostet. Ein anderes Prinzip ihrer Kölner Zeit aber wird vermutlich auf Berlin übertragbar sein: Jeder Kunde soll begrüßt werden. Da ist in Berlin sicher noch etwas Spielraum. 

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