PORTRÄT URSULA VON DER LEYEN ARBEITS- UND SOZIALMINISTERIN: : „Ach was, ...“

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Will Ursula von der Leyen (CDU) Bundeskanzlerin werden? Hat sie deshalb Ende April beinahe die ganze CDU mit ihrem Beharren auf einer Frauenquote an die Wand gespielt, samt Amtsinhaberin Angela Merkel, die danach ziemlich blamiert war? Um auf diese Frage eine eindeutige Antwort finden zu können, muss man auch erklären können, was sich hinter einem „C-reaktiven Protein als diagnostischem Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“ verbirgt. So jedenfalls lautet der Titel der Dissertation, die Ursula von der Leyen vor 23 Jahren eingereicht hat.

Rätselhaft für alle, die nicht Leyen heißen. Rätselhaft auch das Interview der Arbeitsministerin am Montag in der „Bild“. Ein zwingender Anlass zur Wortmeldung ist nicht erkennbar, sieht man davon ab, dass sich Merkel dieser Tage medienwirksam mit Frauen in verantwortlichen Positionen im Kanzleramt trifft und Leyen nicht eingeladen ist. Aber auch das nur eine Vermutung. Auf jeden Fall leitet Ursula von der Leyen ihre Antwort auf den Hinweis, viele vermuteten, sie wolle eines Tages selber Kanzlerin werden, mit einem maliziös dahin geworfenen „Ach was, ...“ ein. Und danach folgt ein Satz trockener Klarheit: „Angela Merkel bleibt Kanzlerin bis mindestens 2017 und es gilt: Jede Generation in Deutschland hat einen Kanzler. Aus meiner Generation ist das Angela Merkel.“ Wer das liest, kann eigentlich umblättern. Merkel ist 58 Jahre alt, Leyen 54. Eine Generation also. Ursula von der Leyen will nicht Merkels Nachfolgerin werden.

Aber: Halt! Was bedeutet das so leicht hingeworfene „Ach was“? Natürlich kann den Satz-Präfix niemand deuten, der nur das geschriebene Wort in der Zeitung liest. Zufall? Kalkül? Jedenfalls geht daraus nicht hervor, wie sie’s denn nun gemeint hat. Abwehrend eine dumme Reporterfrage? „Ach was“ im Sinne von „solcher Unsinn“? Oder vielleicht doch ein bisschen spielerisch? „Ach was, sagt man, ich wolle Kanzlerin werden?“ In der Union jedenfalls ist man noch ziemlich sauer auf „Ursel“. Erst überrumpelt sie die Partei mit dem Plan einer Armutsrente und dann auch noch die Sache mit der Frauenquote. Auf diese Weise verschaffe man sich keinen breiten Rückhalt in der Partei, heißt es über die Vorgänge. Doch wer sagt eigentlich, dass es nur diesen einen Weg ins Kanzleramt gibt? Antje Sirleschtov

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