Porträt : US-Verteidigungsminister Gates: "Es fehlt ein Plan B gegen den Iran"

Ein vertrauliches Papier zum Iran schreckt Amerika auf. Darin beklagt Verteidigungsminister Robert Gates, die Regierung von Barack Obama habe keinen Plan B, falls Teheran auf die angedrohten UN-Sanktionen nicht reagiere und sein Atomprogramm unbeeindruckt fortsetze.

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US-Verteidigungsminister Robert Gates. Foto: dpa
US-Verteidigungsminister Robert Gates.Foto: dpa

Unbekannt ist, wer das interne Memo an die Medien „geleakt“ hat. Die Absicht aber ist klar: eine öffentliche Abwägung zu erzwingen, ob ein Iran mit Atombombe schlimmer wäre oder ein militärischer Angriff zur Zerstörung der Atomanlagen. Gates Warnruf ist keine Sensation. Niemand weiß genau, wie man die Mullahs davon abhalten kann, eine Atombombe zu bauen, ohne dabei andere Gefahren heraufzubeschwören. Die Handlungsoptionen dagegen sind seit Jahren klar. Entweder meinen westliche Politiker, was sie sagen: dass eine Atombombe in den Händen von Mullahs, die Israel mit der Zerstörung drohen, nicht hinnehmbar sei und mit allen Mitteln verhindert werden müsse. Das ist nur glaubwürdig, wenn das die militärische Option einschließt, sofern andere Mittel versagt haben. Oder der Westen lässt unausgesprochen erkennen, dass er zur Bombardierung der Atomanlagen mit Blick auf Kosten und Nutzen nicht bereit ist, und relativiert so die behauptete Entschlossenheit. Mehr als ein Luftangriff steht nicht zur Debatte, jedenfalls keine Invasion mit Bodentruppen wie im Irak.

Gates war bereits Verteidigungsminister unter George W. Bush. Damals gehörte er zu jenen, die es zunächst mit Diplomatie und Sanktionen versuchen wollten. Obama hat Gates im Amt belassen und wie Bush bekräftigt, dass er die militärische Option nicht ausschließt. Seit über einem Jahr erprobt er den Verhandlungsweg – ohne sichtbaren Erfolg. Die Frage, wie es weitergehen soll, falls auch Sanktionen nichts ändern, ist überfällig.

Aber sie ist nicht leicht zu beantworten. So oder so droht eine Destabilisierung der Region. Entweder durch die iranische Bombe, die Israel gefährdet und einen Rüstungswettlauf mit Saudi-Arabien, der Türkei und weiteren Staaten auslöst. Oder durch einen Angriff auf den Iran. Niemand weiß mit Sicherheit, ob der ein längst ausgehöhltes Regime zum Einsturz bringen oder, im Gegenteil, dessen Lebenszeit verlängern würde. Ebenso unklar ist, ob ein Bombardement das Atomprogramm stoppen kann. Nicht nur Amerika, auch Europa bräuchte einen Plan B. Und fürchtet zugleich, dass er zum Plan für ein Desaster werden kann.

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