PORTRÄT UTE VOGT CHEFIN DER SÜDWEST-SPD: : „Ich les’ das schon gar nicht mehr“

Es ist der langsame Absturz einer Hoffnungsträgerin, den die 42-jährige Ute Vogt, SPD-Landeschefin in Baden-Württemberg, durchleidet.

Tissy Bruns

Es ist der langsame Absturz einer Hoffnungsträgerin, den die 42-jährige Ute Vogt, SPD-Landeschefin in Baden-Württemberg, durchleidet. Heute beginnt der Parteitag der Südwest-SPD, der sie erneut in ihr Amt wählen soll. Sie hat keinen Gegenkandidaten, aber so viel Zweifel und Tristesse bei ihren Genossen ausgelöst, dass allenthalben von „Schmerzgrenzen“ die Rede ist. Seine sei überschritten, hat DGB-Chef Rainer Bliesener gesagt, als er auf eine weitere Kandidatur für den Landesvorstand verzichtet hat – aus Ärger über Vogt. Die wiederum hat die Spekulationen darüber, wie schlecht ihr Ergebnis ausfallen könnte, mit den Worten kommentiert: „Meine persönliche Schmerzgrenze ist nur mir persönlich bekannt.“ Und die bösen Artikel, die über die Erfolgsgewohnte jetzt erscheinen, die liest sie schon gar nicht mehr.

Als 36-Jährige ist sie gegen den ewigen Ministerpräsidenten Erwin Teufel angetreten, als Medienliebling und frisches, weibliches Gegenbild zum biederen Landesvater. 33 Prozent hat sie gegen ihn erobert. Ein stolzes Ergebnis, das den Höhenflug der jungen Genossin weiter beflügelte. Ute Vogt gehört zum Kreis der jüngeren Sozialdemokraten, die den damaligen Bundeskanzler Schröder nicht nach traditioneller Juso-Art von links kritisierten, sondern seinen Reformkurs mit generationenspezifischen Argumenten unterstützten. Gerhard Schröder, der raubeinige Aufsteiger, hat diese „Netzwerker“ immer gefördert – unverkennbar mit Verachtung.

Er hat ihnen die Ämter nachgeworfen, die sich, nach seiner Überzeugung und Erfahrung, ein echter Politiker auf eigene Faust erkämpfen muss. Wer die steilen Karrieren der jungen Staatssekretäre und Minister der rot-grünen Ära heute bilanziert, muss zu dem Schluss kommen, dass Schröders junge Anhänger seine Opfer geworden sind – durch zu frühen Aufstieg. Wie Christoph Matschie, Hans Martin Bury oder Kurt Bodewig war Vogt mit geringer Erfahrung schon Regierungsmitglied, Staatssekretärin beim damaligen Innenminister Otto Schily, der auch gestandeneren Politprofis wenig Raum neben sich ließ. Vogt rückte als Parteivize in die SPD-Führung auf, dieses Amt wird sie beim nächsten Bundesparteitag der SPD verlieren.

Die Niederlagen, die Politiker bei der guten, alten Ochsentour unbemerkt einstecken, treffen Ute Vogt im grellen öffentlichen Licht. Ein politisch unvermeidlicher Preis, auch wenn er ihrem Talent nicht gerecht wird. Tissy Bruns

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