PORTRÄT UWE-CHRISTIAN ARNOLD STERBEBERATER: : „Ich verstehe mich als Vorkämpfer“

Hartmut Wewetzer

Für manche bin ich wohl eine Art Messias“, sagt Uwe-Christian Arnold. Der 62-jährige Berliner Urologe ist ein besonderer Erlöser. Er bringt den Tod. Arnold ist zweiter Vorsitzender des deutschen Ablegers des Schweizer Sterbehilfevereins Dignitas. „Ich will, dass es Sterbehelfer gibt, genauso wie es Geburtshelfer gibt“, hat der Arzt nun in einem Interview gesagt. „Ich verstehe mich als Vorkämpfer.“ Zugleich bestätigte Arnold in der „taz“, auch in Deutschland schon Beihilfe zum Suizid geleistet zu haben.

Sterbehilfe ist ein heißes Eisen. Wer hierzulande für sie eintritt, kann sich auf Kritik gefasst machen. Hospiz-Organisationen, ärztliche Standesvertreter, Politiker und Kirchen attackieren jeden Versuch, das deutsche Recht nach Schweizer Vorbild zu lockern. Während in Deutschland die passive Sterbehilfe in einer Grauzone angesiedelt ist, wird sie in der Schweiz, in der der Verein Dignitas seinen Sitz hat, nicht bestraft.

Todkranke, die nicht weiter leiden wollen, bekommen in der Schweiz ein tödliches Mittel verschrieben. Einnehmen müssen sie es selbst. Diese „Beihilfe zur Selbsttötung“ wird nicht verfolgt. In der Schweiz darf ein Kranker sterben, wenn er möchte. Dignitas ermöglicht Deutschen, in der Schweiz zu sterben. 2006 nahmen 120 Deutsche dieses „Angebot“ wahr.

Kaum ein Thema, bei dem veröffentlichte und öffentliche Meinung so auseinanderklaffen. Man wolle keine „Todesengel“, hat die bayrische Sozialministerin gesagt, als der Verein Dignitas 2005 einen Ableger in Hannover eröffnete. Doch ergab eine Forsa-Umfrage, dass drei von vier Deutschen für aktive Sterbehilfe sind; Ärzten solle es erlaubt sein, Schwerstkranken auf deren Wunsch ein tödliches Mittel zu geben.

Diese Diskrepanz erfährt auch Arnold. Obwohl ihm in einer Talkshow schon einmal ein Bischof „mehr oder weniger den Tod gewünscht“ habe, bekomme er aus der Bevölkerung nur Zuspruch. „Die Leute klopfen mir auf die Schulter und sagen: Wenn ich mal so weit bin, kann ich hoffentlich auf dich zählen.“

Arnold legt Wert darauf, Menschen mit Selbstmordgedanken nicht einfach eine rasche „Lösung“ zu eröffnen, sondern sie zu beraten, wie er dem Tagesspiegel einmal gesagt hat. Das könne bedeuten, dass man einen anderen Ausweg als den Suizid finde. Etwa bessere Schmerzbehandlung oder seelische Betreuung. Klingt, als rede da einer von der Hospiz-Bewegung. Hartmut Wewetzer

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