PORTRÄT UWE FRERS INTERNETUNTERNEHMER: : „Gewalt verändert nichts“

Werner van Bebber

Der S-Klasse Mercedes auf dem Foto ist schrottreif, ein VW Golf, der neben dem Mercedes geparkt war, ebenfalls und außerdem auch noch ein Roller: Die Leute, die in einer Kreuzberger Straße die edle Limousine in Brand gesetzt haben, waren ziemlich unvorsichtig bei ihrer wie auch immer gedachten politischen Demonstration. Doch anders als bei früheren Autobrandstiftungsaktionen haben sie diesmal wirklich etwas in Bewegung gebracht: Für Uwe Frers war der Anblick des abgefackelten Mercedes Ausgangspunkt für eine durchaus politisch gemeinte Aktion – allerdings nicht im Sinne der Autobrandstifter.

Frers schuf daraufhin die Internetseite „brennende-autos.de“. Die zeigt auf einer Berlinkarte, dass man in Kreuzberg oder Neukölln gute Chancen hat, seinen Mercedes in schrottreifen Zustand wiederzufinden. Über 100 Brandanschläge listet die Seite insgesamt auf, Friedrichshain und Kreuzberg sind das bevorzugte Aktionsgebiet der Zündler mit dem diffusen politischen Hintergrund, und die Autos aus Untertürkheim stehen ganz oben auf der Liste ihrer Hassobjekte.

Die Karte und die Liste auf der Internetseite sagen, was die kurzen Meldungen der Polizei über abgefackelte Autos so deutlich nicht sagen können: Abgefackelt wird vor allem dort, wo die Szene, die etwas gegen große neue Autos hat, sich geborgen fühlen kann. Die Fahrt nach, beispielsweise, Steglitz ist den Autoverbrennern wohl zu weit und auch zu riskant. Zweitens, auch das zeigt „brennende-autos.de“, trifft die Abfackelei durchaus Leute, deren Fahrzeug eher ein normales Fortbewegungsmittel als ein Luxusobjekt ist.

Frers hat mit der Verbreitung solcher Erkenntnisse erreicht, was er erreichen wollte: Die Autoabfackelei wirkt wie das kriminelle Vergnügen von Politkrawallmachern. Der Mann ist 39 Jahre alt führt in Berlin-Kreuzberg die Geschäfte der Internet-Reiseseite „tripsbytips.de“ und ist, wie er selbst sagt, politisch nicht organisiert. Er sieht sich selbst als einen eher liberalen Menschen, sagt er. Er fahre auch keinen Mercedes, sondern einen Audi A 3. Vor allem, verabscheue er Gewalt – auch Gewalt gegen Sachen.

Die Bedeutung der Internetseite fasst er in dem Satz zusammen: „Guckt euch diesen Wahnsinn an.“ Das Anzünden von Autos hat für ihn nichts mit den Aktionen von beispielsweise Greenpeace zu tun, die gelegentlich die Grenze zum Verbotenen überschreiten. „Wer das Einzelwohl verletzt, kann dem Gemeinwohl nicht dienen.“Werner van Bebber

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