PORTRÄT UWE CORSEPIUS, EU-GENERALSEKRETÄR IN SPE : "Ich bin kein Visionär"

Uwe Corsepius dürfte in Brüssel den Verlauf der Europapolitik entscheidend mitprägen, auch wenn er nicht unbedingt im öffentlichen Scheinwerferlicht steht.

Albrecht Meier
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Foto: dpa

Am vergangenen Freitag, als der EU-Gipfel gerade zu Ende gegangen war, stand Uwe Corsepius ganz hinten im Raum 20.4 im zweiten Stock des Brüsseler Ratsgebäudes. Konzentriert wie immer hörte er den Ausführungen von Kanzlerin Angela Merkel zu, die vorne bei den Medienvertretern über europäische Klimaschutzhilfen, den Jungfernflug des Airbus-Militärtransporters und eine Steuer auf Finanztransaktionen sprach. Eine der Nachrichten, die dieser Gipfel produzierte, drehte sich dabei um Corsepius selbst: Der 49-jährige gebürtige Berliner, der die Europaabteilung im Bundeskanzleramt leitet, wird ab Sommer 2011 in Brüssel Generalsekretär des Rates der Europäischen Union.

Das ist ein Posten, der nicht unbedingt im öffentlichen Scheinwerferlicht steht, aber dafür umso mehr Einfluss im komplizierten europäischen Räderwerk mit sich bringt. Denn im EU-Ratssekretariat wird mitentschieden, was auf die Tagesordnung der Gipfel kommt – und was nicht. Und an dieser Schaltstelle mit mehr als 2000 Beamten wird auch wichtige Zuarbeit für den neuen ständigen EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy geleistet. Ob es gelingt, dass die Erklärungen der EU-Gipfel unter dem Belgier Van Rompuy in Zukunft tatsächlich kürzer, präziser und verständlicher werden – das wird auch vom EU-Ratssekretariat abhängen und damit ab dem übernächsten Jahr von Corsepius.

An Präzision mangelt es dem promovierten Wirtschaftswissenschaftler jedenfalls nicht. Das kann er auch schon einmal Fragesteller, die etwas ungenau formulieren, spüren lassen. Neben Faktensicherheit zählt auch Beharrungsvermögen zu seinen Stärken. Das bewies er im ersten Halbjahr 2007, als er während der deutschen EU-Präsidentschaft bei den europäischen Partnern in unermüdlicher Detailarbeit den Lissabon-Vertrag vorbereitete. Merkel verdankt es nicht zuletzt Corsepius, dass es ihr vor zweieinhalb Jahren – wieder einmal in einer langen Brüsseler Gipfelnacht – gelang, einen Kompromiss unter den 27 Mitgliedstaaten zur lang umkämpften EU-Vertragsreform zu finden.

Auch wenn Corsepius nach eigenem Bekunden „kein Visionär“ ist, dürfte er in Brüssel den Verlauf der Europapolitik entscheidend mitprägen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich das Amt des Generalsekretärs im Rat viele Jahre ausüben lässt. Der Franzose Pierre de Boissieu, den Corsepius ablösen wird, ist seit zehn Jahren auf dem Posten. 

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