Porträt : Viktor Janukowitsch: „Ich stehe für eine starke Ukraine“

Die Ukraine hat sich verändert, Pressefreiheit, Demokratie, die selbstbewusster werdende Zivilgesellschaft – all das wird Janukowitsch nicht einfach beiseite fegen können

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Jetzt ist er am Ziel. Am heutigen Donnerstag wird Viktor Janukowitsch als Präsident der       Ukraine vereidigt. Hätte es die Orangene Revolution nicht gegeben, wäre er schon vor fünf Jahren Staatschef geworden. Doch weil er, der Kandidat des alten Systems und Favorit Moskaus, die Wahl damals nur mit massiven Fäschungen gewonnen hatte, erzwangen die Demonstranten auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz Neuwahlen. Ausgerechnet er hat nun die erste Präsidentenwahl in der Ukraine gewonnen, die wirklich frei und fair verlaufen ist. Die Anhänger des neuen Präsidenten betonen gern, die Orangene Revolution sei nun Geschichte. Doch das Land hat sich verändert, Pressefreiheit, Demokratie, die selbstbewusster werdende Zivilgesellschaft – all das wird Janukowitsch nicht einfach beiseite fegen können. Aber auch Janukowitsch selbst hat sich verändert oder zumindest der neuen Zeit angepasst: Schon im Wahlkampf betonte der Kandidat die Bedeutung Europas für sein Land.

Die Wahl hat Janukowitsch im russischsprachigen Osten und Süden des Landes gewonnen. Wenig Rückhalt hat der neue Präsident dagegen in der Westukraine und in Kiew. Gerade dort wurde daher aufmerksam registriert, dass Janukowitsch während des Wahlkampfes Ukrainisch gesprochen hat. Dabei ist er mit der russischen Sprache in der Region Donezk aufgewachsen. Hier hat der Junge aus armen Verhältnissen, der als Jugendlicher wegen Körperverletzung im Gefängnis saß, Karriere gemacht, vom Mechaniker bis zum Gouverneur.

Aus Sicht Moskaus wird vieles mit dem Neuen in Kiew einfacher: Janukowitsch ist gegen einen Nato- Beitritt und befürwortet eine längere Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim. Unklar ist, ob er eine Zollunion mit Russland anstreben wird und ob er wirklich für Moskau ein einfacher Partner ist – schließlich will er beispielsweise eine Senkung der Gaspreise erreichen.

Seine erste Auslandsreise am kommenden Montag führt ihn gerade nicht nach Moskau, sondern nach Brüssel. Dort möchte er sich auch dafür einsetzen, dass Ukrainer bald für Reisen in EU-Staaten kein Visum mehr brauchen. Der Besuch in Brüssel ist ein Signal, das die EU ernst nehmen muss – und das sie zugleich in Schwierigkeiten bringt. Denn falls Janukowitsch den Kurs der Annäherung an die EU fortsetzen will, sollten die Europäer ihm ihrerseits signalisieren, dass sie die Ukraine nicht für immer draußen vor der Tür warten lassen wollen. Claudia von Salzen

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