PORTRÄT : Viktor Janukowitsch: "Ich wusste ja, dass es schlimm wird"

Ausgerechnet der Mann, der vor fünf Jahren zum Anlass für die "Orangene Revolution" wurde, könnte bald neuer Präsident der Ukraine sein.

Knut Krohn
318387_0_86045f15.jpg
Foto: Reuters

Es könnte eine Ironie der Geschichte sein: Am kommenden Sonntag wird in der Ukraine ein neuer Präsident gewählt, und gewinnen könnte ausgerechnet jener Kandidat, der vor fünf Jahren zum Auslöser für die „Orangene Revolution“ wurde: Viktor Janukowitsch. Der 59-Jährige war im November 2004 zum Sieger der damals anberaumten Präsidentschaftswahl ausgerufen worden. Die Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung waren offensichtlich und so kam es zu einer breiten Bürgerbewegung, die gegen das Wahlergebnis auf die Straße ging. Die Wahl wurde auf Anordnung des Verfassungsgerichts wiederholt, Janukowtisch, der damals als „Knecht des Kremls“ galt, unterlag seinem Rivalen Viktor Juschtschenko.

Doch die Rivalität seiner beiden Kontrahenten und die ihm eigene Zähigkeit verschafften Janukowitsch eine neue Chance. Der studierte Ingenieur stellte einen Image-Berater aus den USA an, der seine krause Sprache geschmeidig und das Auftreten weltgewandter machte und als das demokratische Lager wegen der Streitigkeiten zerfiel, kehrte er nach der Wahl 2006 in das Amt des Ministerpräsidenten zurück. Ein Jahr später musste allerdings wieder gewählt werden. Seine „Partei der Regionen“ wurde zwar stärkste Kraft, allerdings raufte sich das „Orangene Lager“ noch einmal zusammen und Premierministerin wurde Julia Timoschenko. Sie ist auch seine Hauptkonkurrentin bei der Wahl am Wochenende. Janukowitsch gibt sich keine Mühe, seine Genugtuung zu verbergen. „Ich wusste ja, dass es schlimm wird“, sagte der pro-russische Politiker kürzlich bei einem Wahlkampfbesuch in seinem Stammland Donbass im Osten der früheren Sowjetrepublik. „Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schlimm kommt.“

Janukowitsch wurde 1950 in der Nähe der ostukrainischen Industriestadt Donezk als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Seine Mutter starb, als er zwei Jahre alt war. Er arbeitete sich mit sehr viel Energie und großer Zähigkeit nach oben, die einfache Herkunft haftete ihm wegen seiner groben Umgangsformen noch lange an – ebenso wie die beiden Haftstrafen, die er als Jugendlicher wegen Diebstahls und Körperverletzung verbüßen musste. Janukowitsch unterhält enge Beziehungen zur russischen Regierung und schloss kürzlich einen Beitritt der Ukraine zur Nato aus. Wie die meisten Politiker seines Landes strebt er aber eine EU-Mitgliedschaft an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben