• PORTRÄT VIVIAN SCHILLER AMERIKANISCHE RADIOCHEFIN:: „Unser Sender steht unter hohem Druck“

PORTRÄT VIVIAN SCHILLER AMERIKANISCHE RADIOCHEFIN: : „Unser Sender steht unter hohem Druck“

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Nach außen hin ist es nur ein bedauerlicher, kleiner Skandal: Ein Angestellter des angesehenen Radiosenders NPR hat bei der Einwerbung von privaten Spenden höchst einseitige politische Bemerkungen gemacht. Die Chefin Vivian Schiller übernimmt die Verantwortung für den Fehltritt ihres Untergebenen – es ist reiner Zufall, dass er den selben Namen trägt, Ron Schiller; sie sind nicht verwandt – und tritt zurück.

Tatsächlich ist die Geschichte politisch viel komplizierter. Und welche Seite dabei unlautere Methoden anwendet, hängt auch davon ab, wo der Betrachter ideologisch steht. Amerikas Radio- und Fernsehsender sind fast durchweg Privatunternehmen. Es gibt nur eine kleine Nische, die sich mit dem öffentlich-rechtlichen System in Deutschland vergleichen ließe: National Public Radio (NPR), an dem in den Einzelstaaten unzählige lokale Sender hängen, die ohne diese Kooperation nicht überleben können, so wie der TV-Sender PBS. Sie bekommen eine kleine staatliche Unterstützung, um sich im Markt behaupten zu können. Ihre politische Berichterstattung gilt unter Gebildeten als qualitativ besser als die der Privatsender. Den Republikanern sind sie jedoch ein Dorn im Auge. Für sie steht NPR „links“ und sympathisiert mit den Demokraten. Die Konservativen fordern ein Ende der staatlichen Subventionen. Die aktuelle Lage knapper Kassen und hoher Staatsverschuldung ist ein guter Zeitpunkt. Im Budgetentwurf der Republikaner sind die Staatszuschüsse gestrichen.

NPR finanziert den Großteil seiner Ausgaben aus Werbung und den Spenden seiner Hörer. Etwa zehn Prozent kommen vom Staat. Wegen der Aussicht, dass diese Subventionen noch in diesem Jahr ganz wegfallen, bemüht sich NPR um Ausgleich durch zusätzliche Privatspenden. Ein republikanischer Aktivist, James O’Keefe, gab sich gegenüber dem NPR-Spendenwerber Ron Schiller als Vertreter muslimischer Bürger in den USA aus, die bereit seien, Geld an NPR zu geben. Er nahm die Unterhaltung heimlich auf. Ron Schiller schimpfte im Glauben, mit einem politisch Gleichgesinnten zu reden, über den Rassismus, die Fremdenfeindlichkeit und das Misstrauen gegenüber Intellektuellen in den Reihen der Tea Party. Sender wie NPR seien die einzigen verlässlichen Anwälte der Toleranz gegenüber Muslimen in den USA. Die großen Zeitungen würden „von Juden kontrolliert“. Da sei es in der Tat besser, NPR löse sich von den staatlichen Subventionen und werbe um Spenden, zum Beispiel von arabischen Unternehmern und Bürgern in Amerika.

Konservative Medien verbreiteten das heimlich aufgenommene Video. Die Aufregung ist groß. Die Aussicht, dass die NPR-Zuschüsse die Budgetgespräche in dieser Woche überleben, sind weiter gesunken. Christoph von Marschall

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