Porträt : "Vom Bürger her gesehen geht es um seine Freiheit"

Der Verfassungsrichter Johannes Masing wird in seinen jungen Jahren im Licht der Öffentlichkeit stehen: Er wird ab Mittwoch dem Ersten Senat angehören und muss sich mit dem Eilantrag zur Vorratsdatenspeicherung befassen.

Ursula Knapp

Er sieht nicht nur jung aus, mit 48 Jahren zählt er auch zu den jungen Bundesverfassungsrichtern: Ab kommenden Mittwoch wird der Juraprofessor Johannes Masing dem Ersten Senat angehören. Er löst Wolfgang Hoffmann-Riem ab, der mit 68 Jahren die Altersgrenze erreicht und ausscheidet. Der aus Wiesbaden stammende Jurist Masing, der jetzt in Freiburg lehrt, wird ein Dezernat übernehmen, das besonders im öffentlichen Rampenlicht steht: Vor zwei Wochen wurde dort der Eilantrag zur Vorratsdatenspeicherung bearbeitet. Viel Zeit bleibt ihm nicht, denn er muss zügig das endgültige Urteil vorbereiten. Aber auch für das Demonstrationsrecht und den Persönlichkeitsschutz Prominenter vor Paparazzi-Fotos wird Masing zuständig sein.

Er weiß, was ihn in Karlsruhe erwartet. Denn von 1992 bis 1996 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei dem angesehenen Rechtswissenschaftler und früheren Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde. Nach Promotion und Habilitation folgte 1998, Masing war damals 39 Jahre alt, der Ruf an die Universität Augsburg. Erst vor wenigen Monaten wechselte der zweifache Familienvater an die Universität Freiburg. Auf Vorschlag der SPD wurde er im Februar zum Bundesverfassungsrichter gewählt.

Vor drei Jahren hatte Masing in Karlsruhe bewiesen, dass er sich auch in schwierigen Situationen nicht aus dem Konzept bringen lässt: 2005 vertrat er vor dem Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung und verteidigte den Europäischen Haftbefehl, allerdings ohne Erfolg. Das Gesetz wurde in seiner ersten Fassung mehrheitlich für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Allerdings hatte Masing von vornherein eine schwierige Mission, schließlich gilt der Zweite Senat als eher europaskeptisch.

Vorgänger Hoffmann-Riem verlässt den Ersten Senat nach acht „kreativen und anregenden Arbeitsjahren“. Besonders darauf, dass das Recht auf friedliche Demonstrationen auch für Neonazis verteidigt wurde, ist er „ein bisschen stolz“. „Wir haben ein Grundrecht gerettet“, sagt der Hanseat rückblickend. Denn wäre das Demonstrationsrecht „wegen der Neonazis zerfleddert worden, dann wäre es für alle zerfleddert“.

Der Neue ist dagegen nicht nur Staatsrechtler, sondern auch Pianist. Neben dem Jura- und Philosophiestudium absolvierte Johannes Masing das Fach Klavier an den Musikhochschulen in Freiburg und Stuttgart.

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