• PORTRÄT WALDEMAR PAWLAK POLNISCHE BAUERNPARTEI:: „Wir erleben die Abkehr von der Destruktion“

PORTRÄT WALDEMAR PAWLAK POLNISCHE BAUERNPARTEI: : „Wir erleben die Abkehr von der Destruktion“

Knut Krohn

Waldemar Pawlak, der Vorsitzende der Bauernpartei (PSL) und zukünftige Vizepremier Polens, ist offensichtlich selbst überrascht, dass die Verhandlungen über eine Regierungsbildung so reibungslos über die Bühne gehen. Auch sein Verhandlungspartner Donald Tusk gibt sich euphorisch. „Ich glaube, das ist polnischer Rekord – im positiven Sinne. Wir haben in 15 Minuten die Kandidaten für den Posten des Premiers und des Parlamentspräsidenten festgelegt“, erklärt der Chef der am vergangenen Sonntag bei den Parlamentswahlen siegreichen Bürgerplattform (PO). Doch der 47-jährige Pawlak ist ein alter Hase im Politikgeschäft und weiß, dass – trotz aller Freundschaft – in dieser entscheidenden Phase der Regierungsbildung jeder Schritt genau bedacht sein muss.

Erleichtert werden die Koalitionsverhandlungen in Polen vor allem dadurch, dass Bauernpartei und Bürgerplattform in wesentlichen Punkten übereinstimmen. Beide sind Europa gegenüber wohlgesinnt und plädieren für die Reform der Wirtschaft. Pawlak will vor allem bürokratische Hürden für Kleinunternehmer und Landwirte abbauen. Dazu gehört auch, die Zahl der Ministerien zu reduzieren. Zudem soll nach dem Willen von Pawlak die unter der Regierung Kaczynski forcierte Konzentration der Macht wieder rückgängig gemacht werden. Geplant ist, den Einfluss des Sejm-Marschalls zu beschneiden. Pawlak: „Schlüsselentscheidungen sollen wieder im Parlament getroffen werden.“

Zum Vorbild für die Zusammenarbeit zwischen Bürgerplattform und Bauernpartei wird die bewährte Allianz von CDU und CSU in Deutschland genommen. Die PO als größerer Partner soll eine liberalere Politik verfechten, die die Bürger der größeren Städte anspricht. Ergänzend dazu hat die PSL eine starke Verwurzelung auf dem Land und in den Kleinstädten.

Der Name Bauernpartei führt allerdings etwas in die Irre. Die PSL wird zwar noch so bezeichnet, da sie ihren Ursprung auf eine Bauernpartei im 19. Jahrhundert zurückführt, ihre heutige Klientel indes ist eher der Mittelstand. Der offizielle Name ist „Polskie Stronnictwo Ludowe“, Polnische Volkspartei. Nicht zu verwechseln ist sie mit der radikalen Bauernpartei Samoobrona, die im vergangenen Parlament noch in der Regierung vertreten war, nun aber aus dem Sejm verschwunden ist.

Pawlak ist seit dem Zusammenbruch des Kommunismus Mitglied der PSL. 1993 bildete er sogar zusammen mit den Postkommunisten eine Regierung, die allerdings nur zwei Jahre hielt. Auf Betreiben des damaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa wurde Pawlak als Ministerpräsident schließlich abgelöst, da er die notwendigen wirtschaftlichen Reformen angeblich nicht energisch genug vorangetrieben habe. Knut Krohn

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