PORTRÄT WANDA BADWAL - BEINAHE-TOPMODEL: : „Ich glaube nicht, dass ich weiter bin“

Drei Monate läuft nun die dritte Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ – und wir haben viel gelernt über das Modelleben. Beispiel gefällig?

Dagmar Rosenfeld

Zum Beispiel, dass „ein Topmodel immer top sein muss“, wie Heidi Klum sagt. Oder dass der Kunde immer recht hat. Und wenn der Kunde das Model als Bratpfanne ausstaffieren will, hat es eben eine Bratpfanne zu sein. Und wir wissen auch, dass in der Branche der Begriff „die Mädchen“ offenbar als Synonym für „Model“ verwendet wird.

Aber es brauchte erst Wandas Rausschmiss, damit Klum ausspricht, was wir uns schon gedacht haben, als eines der Mädchen sagte, es habe „voll geil Spaß gemacht“ mit einem toten Oktopus auf dem Kopf vor der Kamera zu „posen“: Wer in die TopmodelVilla will, muss vorher nicht nur sein Handy abgeben, sondern auch seinen Verstand. „Du hast in den letzten Wochen viel zu viel nachgedacht“, erklärte Heidi Klum, warum die 23-jährige Wanda nicht ins Finale gehört. Wanda, die in Hamburg an der Stage School Schauspiel studiert hat, ahnte da schon längst, dass sie gehen muss. Zuvor hatten die Kandidatinnen die Aufgabe bekommen, Juror Peyman Amin – gefühlte 1,48 Meter groß – zu beschimpfen und zu schlagen. Während die anderen Mädchen Peyman furiengleich Sätze wie „Ich blase dir Curry in den Hintern, dann kannst du mal sehen, wie das brennt“ entgegenschleuderten und ihm ihre Stilettos in eben den rammten, wurde es Wandas Verstand wohl zu blöd. Statt Hiebe brachte sie nur ein verschämtes Lachen zustande.

So etwas will die Jury nicht sehen – und der Zuschauer auch nicht. Es ist die Mischung aus Voyeurismus, Lust an Dämlichkeit und Fremdschämen, die „Germany’s Next Topmodel“ so faszinierend macht. Dazu braucht es Mädchen wie die blonde Caroline, die beim Casting für den Werbespot eines Handyherstellers improvisieren soll und tatsächlich sagt: „Hallo? Ich kann dich nicht verstehen, der Empfang ist so schlecht.“ Das ist Naivität, die ans Herz geht. Oder die verhuschte Christina, die mit weit aufgerissenen Augen durch Klums Modelwelt geht. Sie sei ein scheues Reh ohne Persönlichkeit, hat ihr die Jury jedes Mal gesagt. Jetzt ist sie im Finale, wohl genau deswegen.

Denn Germany’s Next Topmodel muss nicht nur schön, sondern auch formbar sein. Oder sollte man sagen: schön willenlos? So willenlos, dass es auch eine Bratpfanne sein kann – wenn der Kunde das wünscht. Oder der Zuschauer. 

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