PORTRÄT WENDELIN WIEDEKING, PORSCHE–CHEF: : "Es ist keine Hochzeit im Himmel"

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird in die zweite Reihe gedrängt. Porsche wird in Zukunft nur noch eine von zehn Marken sein.

Henrik Mortsiefer

Wie es sich anfühlt, wenn man als machtbewusster Mensch in der zweiten Reihe Platz nehmen muss, hat Wendelin Wiedeking schon vor zwei Wochen in Hamburg erlebt. Da saß der Porsche-Chef auf der Hauptversammlung von Volkswagen nur am Rande des Podiums. Für die Fotografen wurde der 56-Jährige in die Mitte geholt, zum Händeschütteln mit Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch. Verkniffen wirkte der sonst so joviale Wiedeking. Kein schöner Tag für den Westfalen, der in Stuttgart-Zuffenhausen triumphalere Auftritte gewöhnt ist.

Am Mittwochabend kam es für Wiedeking noch härter. In Salzburg ging es beim Familienrat des Porsche- und Piëch-Clans um die Zukunft – auch um seine. Porsche hat neun Milliarden Euro Schulden, die Finanzierung hängt am seidenen Faden, das Autogeschäft bricht ein. Am Donnerstagmorgen konnten 12 000 Porsche-Mitarbeiter in der Zeitung lesen, wie sich ihr Chef geschlagen hatte: Er bleibt im Amt – vorerst. Aus seinem ambitionierten Plan jedoch, die 50,2- Prozent-Beteiligung am VW-Konzern zu einer 75-Prozent-Beherrschung auszubauen, wird nichts. Eigentlich ist das Gegenteil eingetreten. Porsche dürfte als zehnte Marke in das VW-Imperium eingegliedert werden. Noch sprechen beide Firmen von Fusion. Bei Wiedeking klingt es schon anders: „Es ist keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe“, sagte er auf einer Betriebsversammlung.

Ironie der Geschichte: Schon als Wiedeking 1993 Vorstandschef wurde, gab es Reibungen zwischen den Familienbünden. Das Unternehmen war ein Sanierungsfall, Umsatz und Absatz sanken, die Marke hatte keinen Glanz mehr, Kosten und Überkapazitäten lähmten den Hersteller exklusiver Sportwagen, den Ferdinand „Ferry“ Porsche seit 1947 aufgebaut hatte. In den 90er Jahren lief Wiedeking zu großer Form auf. Mit eigenem Geld und Engagement schaffte der bei Mitarbeitern beliebte Manager die Wende. Clever ließ sich der studierte Maschinenbauer und promovierte Betriebswirt eine Gewinnbeteiligung zusichern, die ihn später reich machte. Im Geschäftsjahr 2007/2008 soll Wiedeking rund 80 Millionen Euro verdient haben.

Sorgen um die Rente muss er sich nicht machen. Denken will er wohl noch nicht daran. Aber die Uhr tickt. Vier Wochen haben sich die Porsches und Piëchs gegeben, um die Struktur des neuen Autokonzerns zu beschließen. Ob es darin eine Zukunft für Wiedeking gibt, ist ungewiss. Henrik Mortsiefer

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